Klischees und Stereotypen
Februar 15, 2007 von picturetom · Kommentar verfassen
Millionen besitzen eine Kamera, der Ausstoß von Fotografien erreicht die Milliardengrenze. Fotografieren ist ein gesellschaftlich enorm verbreiteter Ritus, der aber in den seltensten Fällen zu einer emanzipatorischen Nutzung, i.S. von Problematisierung von Wirklichkeit, führt. Der alltägliche uniforme Bildausstoß beweist dies.
Die Produktion von Fotos bewegt sich innerhalb von Klischees und Stereotypen, die durchweg seit der Popularisierung der Fotografie gleich geblieben sind (Urlaubsfotos, Familienfotos). Weder die weitgespannten formal-technischen, noch die inhaltlich-ästhetischen Möglichkeiten der Fotografie werden genutzt. Die Bilder der Amateure ersticken in dem krampfhaften Versuch, die Realität so real wie möglich zu erfassen.
Geht man von der Quantität der Bildproduktion der Amateure aus, könnte man vermuten, daß Ihre Produkte das gesellschaftliche Bewußtsein über Fotografie bestimmen müßten. Tatsächlich verschwindet die Produktion der Amateure unter einem unsichtbaren Berg belangloser Knipsbilder. An der Amateurfotografie kann man sich
darüber klar werden, wie eine massenhaft ausgeübte Tätigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhängigkeit gehalten und zur Belanglosigkeit gestutzt wird.
Weitaus relevanter für das Bewußtsein über die Verwendung von Fotografie in unserer Gesellschaft ist die Fotoproduktion der ‚Bewußtseinsindustrie’, die auf der einen Seite durch die ‚Eindruckskonkurrenz’ der Fotoindustrie die Fotomaterialien, verknüpft mit Gebrauchsanweisung zur Verwendung des Mediums, auf den Markt wirft und auf der anderen Seite durch die Massenmedien den inhaltlichen Gebrauch des Mediums durch Vermittlung von Klischees und Stereotypen prägt.
Mein Ziel ist es das brachliegende Erfahrungspotential der Fotografie der Gelegenheitsknipser zumindest teilweise zu entschlüsseln. Dabei müssen sowohl Rezeption von Fotos, als auch Produktion von Fotos mit allen in sie eingehenden Bedingungsfaktoren, die vorgegebenen inhaltlichen, formalen und technischen Normen, entschlüsselt werden. Hierbei ist wesentlich, daß das Subjekt dieser Gesellschaft (der einzelne Amateur) nicht nur als allgemein gesellschaftliches gesehen wird, sondern als konkret einzelnes, in subjektiven Erkenntnisstrukturen verhaftetes Wesen.