Warenästhetik der Fotografie
‚Professioneller und technizistischer Schein’ sind die wesentlichen Bestandteile der Warenästhetik der Fotografie. Die Modellierung der Sinnlichkeit (hier: des sinnlichen Bewußtseins über Fotografie) des Amateurs macht ihn gewissermaßen zur abhängigen Variablen der Fotoindustrie.
Der ‚schöne Schein’, das sinnliche Versprechen der Ware Fotografie verändert und initiiert Bedürfnisse, die den gesellschaftlichen Gebrauch des Mediums prägen.
„Den als Käufer angezielten Menschen treten Dinge gegenüber, in denen Teile ihres unbefriedigten Wesens perfekten Ausdruck und Befriedigung zu finden scheinen. Indem die Menschen auf diese Dinge triebhaft ansprechen, sollen sie zu ihren Käufern werden“ (Haug, W.F.);
und indem sie zu ihren Käufern werden, werden sich die Bedürfnisse (ihre subjektive Sinnlichkeit) verändern, d.h. auf die Fotografie bezogen: der Amateur wird die jeweils neueste Supertechnik als ein Muß empfinden (Effekt für die Industrie: mehr Umsatz-Auswirkung auf den Amateur: Technizismus, mangelnder Durchblick) im Hinblick auf die Entwicklung seiner fotografischen Kreativität.
Ebenso wird er versuchen seine evtl. sehr teure Ausrüstung optimal zu nutzen, entsprechend wertvolle und einzigartige Aufnahmen zu machen. Dabei wird er sich an den als gesellschaftlich wertvoll anerkannten Bildvorlagen (Ausstellungen, Presse, Zeitungen) orientieren, d.h. an dem Profi/Berufsfotografen.
Je stärker er sich aber an den Profis und deren Bildausstoß orientiert, desto uniformierter, einheitlicher und austauschbarer werden seine Fotos. Ist der Amateur an diesem Punkt angelangt, wird ihm dieser Vorgang bewußt, greift er nach der nächsten Kameramarke, die noch professionellere Fotos verspricht. In den meisten Fällen ist es wieder einmal ein Griff ins Leere.
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