Der objektive Schein der Fotografie
April 25, 2007 von picturetom · Kommentar verfassen
Klaus Waller (1982) kommt in seiner Untersuchung zu dem Schluß, daß
„das in der Theorie (gemeint ist die Fototheorie, d. Verf.) vertretene Eingeständnis der Subjektivität des Fotos beim allgemeinen Zeitungsfoto durch demonstrativen Wahrheitsanspruch geleugnet wird“.
Josef Kasper (1979) geht von ähnlichen Voraussetzungen aus, nur spricht er in diesem Zusammenhang von der Ikonizität, d.h. Ähnlichkeit mit der Natur oder Wirklichkeitstreue von Fotos. Auch in der bürgerlichen Fototheorie (vgl. bes. Kemp, Wolfgang 1980, 1981, 1982) wird jene als einzig objektives Verfahren zur Abbildung von Wirklichkeit bezeichnet.
Der Glaube an die ‚Objektivität’ der Fotografie beruht
1. auf der technischen Glaubwürdigkeit des Mediums: Die optimale Kombination von mechanischen, optischen und chemischen Naturgesetzen, jeweils auf dem neusten Stand der Produktivkräfte, die der fotografischen Apparatur innewohnt, zum Zweck der optischen Abbildung von Realität und der anschließenden Fixierung des Gesehenen auf dem Film, führt dazu, daß der Fotografie ein ausgesprochener Realismus zugeschrieben wird.
Kennzeichen dieses ‚Realismus’ sind die große Detailtreue des fotografischen Bildes und das schnelle Erfassen von Bewegungsabläufen (Momentfotografie), schneller als das menschliche Auge reagieren kann. Hinzu kommt seit dem 2. Weltkrieg die Möglichkeit der farbigen Fotografie, die den Schluß nahelegt, da die Wirklichkeit ebenfalls farbig ist, daß das, was auf dem fotografischen Abzug erscheint, ‚Realität’ war.
2. auf der inhaltlichen Glaubwürdigkeit des Mediums: die inhaltliche Glaubwürdigkeit des Mediums ist zum einen ein Ergebnis der speziellen Verwendung von Fotos, mithin Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse, zum anderen ein Resultat der subjektiven Rezeption von fotografischen Abbilden und deren Verankerung im Bewußtsein.