DIE ‘WAHRHEIT’ DER FOTOGRAFIE

Mai 15, 2007 by picturetom · Ihr Kommentar
Abgelegt unter: Fotografie und Bewußtsein 

„Das Foto ist ein schmaler Ausschnitt von Raum ebenso wie von Zeit. In einer von fotografischen Bildern beherrschten Welt erscheinen alle Grenzen willkürlich. Alles kann von allem getrennt werden. Es ist lediglich erforderlich, jedes Mal einen anderen Ausschnitt zu zeigen. Die Fotografie fördert eine nominalistische Sicht der gesellschaftlichen Realität, so, als bestünde diese aus kleinen, offenbar unendlich vielen Einheiten – wie ja auch die Zahl der Fotos, die von etwas gemacht werden können, unbegrenzt ist. Durch Fotografien wird die Welt zu einer Aneinanerreihung beziehungsloser, freischwebender Partikel…“(Susan Sonntag, 1978)

Hinzu kommt, daß ein Foto (zumindest als Einzelfoto) niemals mehr als die äußere Hülle, die Oberfläche eines Objektes darstellen kann.

„Die Lage wird dadurch so kompliziert, daß weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke oder AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdringlichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus“ (Brecht, Bertolt 1967).

Das ‚Wesen der Dinge’ oder die Realität wird das Foto nie darstellen, auch wenn das Foto, wie in der Presse oder Illustrierten, typisierend mit entsprechenden Untertiteln versehen eingesetzt wird und der Rezipient es in diesen Zusammenhängen als seine oder als gesellschaftliche Realität identifiziert.

Anscheinend beruht aber die gesellschaftliche Definition der Objektivität der Fotografie (von Seiten der Theorie, der Vermittler, aber auch der einzelnen Produzenten/Rezipienten) hauptsächlich auf dem gewissen Maß an Konkretheit, dem blitzschnellen Erfassen von Momenten und der Fixierung realer Szenen, so daß im gesellschaftlichen Bewußtsein Realität und Fotorealität gleichgesetzt werden können.
Insofern ließe sich feststellen, daß der Glaube an die Objektivität des Fotos sein spezielles Gewicht verleiht und es von anderen Reproduktionen unterscheidet.

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