Die private Produzentenseite von Fotografie - Amateure

„In jüngster Zeit ist das Fotografieren ein ebenso weitverbreiteter Zeitvertreib geworden wie Sex oder Tanzen“ (Sonntag, Susan)

Der einzelne Produzent von Fotos wurde bisher mehr oder weniger indirekt schon mehrfach angesprochen. Die Entwicklung der Fotografie ist undenkbar ohne das Pendant zum Profi – der Amateur. Historische und gesellschaftliche Ursachen für die ständige Expansion der Fotografie wurden bereits in den vorangegangenen Kapiteln erläutert:

1. Historische Ursachen-Entwicklung der Fotografie auf der Folie der bürgerlichen Gesellschaft, die technische Reproduzierbarkeit als neue Qualität von Abbildern der Wirklichkeit; die Fotografie als Medium, das den neuesten Stand der Produktivkräfte und der darin eingehenden gesellschaftlichen Implikationen in einer bürgerlichen Industriegesellschaft umfasst.

2. Die Fotoindustrie mit ihrer spezifischenspezifischen Eindruckskonkurrenz und dem damit verbundenen Kreativitätsversprechen, die dafür sorgt, daß der Fotomarkt ständig expandiert und sowohl Einfluß auf den formal-technischen Aspekt, als auch den inhaltlich-ästhetischen Aspekt der Ware Fotografie nimmt. Dabei knüpft sie offenbar an gesellschaftlichen Bedürfnissen an (Kreativität, ‚sinnvolle’ Freizeitgestaltung), deren Ursachen in der zunehmenden Monotonie, Arbeitsteilung und Atomatisierung der Arbeitswelt zu suchen sind.

3. Die Verengung der Wahrnehmung zur fotografischen, hervorgerufen durch die alltägliche Bilderflut in den Massenmedien, die den Blick auf die Realität verstellt und zumeist nur den ‚schönen Schein’ aufrechterhält. Die Massenmedien vermitteln aber nicht nur Ideologie, indem sie Wirklichkeit mittels der Fotografie im Sinne der herrschenden Klasse interpretieren und darstellen, sondern prägen über den spezifischen Gebrauch des Mediums die Art und Weise, wie das Subjekt Fotografie verwenden soll. Sie liefern also inhaltlich-ästhetische Gebrauchsanweisungen, ebenso wie die Fotoindustrie.

Millionen Menschen besitzen eine Kamera, der Ausstoß von Bildern bewegt sich in Milliardenhöhe, Fotografie ist allgegenwärtig und alltäglich, sie ist zur Alltagserscheinung geworden. Es sind aber nicht diese alltäglichen Bilder der Amateure, die unser Bewußtsein von Fotografie prägen.

Anhand der Amateurfotografie läßt sich deutlich darstellen, wie eine massenhaft ausgeübte Tätigkeit, von der ein ganzer Industriezweig lebt, in Abhängigkeit gehalten und zur Harmlosigkeit gestutzt wird. Im folgenden werde ich kurz umreißen worin diese Tätigkeit besteht und ihre spezifischen Erscheinungsformen aufzeigen, d.h. vorgegebene, internalisierte, formale und technische Normen reflektieren.

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