Der Warencharakter der Fotografie
Die Unterschiede zwischen Profis und Amateuren liegen also nicht in der Apparatur und der damit verbundenen möglichen Bildqualität, sondern zum einen im nicht erreichten Zugang zu den ‚kostbaren’, fotografierenswerten Objekten (Politiker, Fotomodelle, Krisenschauplätze), sie sich gesellschaftlicher Bedeutung erfreuen, zum anderen – und das ist der wichtigste Unterschied – im Warencharakter der Fotografie, dem Zwang des ‚sich-verkaufen-müssens’, dem die Profis ausgesetzt sind.
Befreit davon, Waren produzieren zu müssen wie der Profi, hat aber gerade der Fotoamateur die Chance, durch seine Arbeit zu wichtigen Einsichten zu kommen und sie, unberührt von den Interessen professioneller Multiplikatoren vermitteln zu können.
Was den Berufsfotografen kaum gelingt, nämlich die Nutzbarmachung ihres Mediums zur Befriedigung ihrer vitalen Interessen – was ihnen deshalb nicht gelingt, weil sich aus dem Warencharakter ihrer Arbeit Zwänge ergeben, denen sie sich schwer entziehen können, ist für den Amateur kein Problem, denn er muß von seiner Arbeit nicht leben. Obwohl also die Motive der Amateure, zu ihrem Fotoapparat zu greifen, denen der Profis entgegengesetzt sind, orientieren sie sich stark an ihnen.
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