Amateure und die Gebrauchsweisen der Fotografie
„Betrachtet man die Fotos von Amateurwettbewerben, so unterscheiden sich diese von jenen der Profis kaum mehr in der Bildqualität, sondern allenfalls im nicht erreichten Zugang zu den kostbaren Objekten… Schon von jenem Moment an, wenn der Amateur in einer Tageszeitung oder in einem Freizeitmagazin nach einem Modell inseriert, später mir ihm Make-up und Posen bespricht und dann in Ermangelung einer Windmaschine stürmische Wetter abwartet, opfert er die Wahrnehmung seiner Wünsche nach Kontakt, Begegnung, Berührung, Liebe der harten Veredelung von Leitbildern“
(Kunde, Wolfgang/Wawrzyn Lienhard 1979).
Der ambitionierte Amateur, der sich an dem Profi als Leitbild orientiert und sich eine ‚ordentliche Kamera’ mit verschiedenen Objektiven und möglichst eigener Dunkelkammer kauft, will eben nicht nur dann und wann ein Erinnerungsfoto knipsen. Hinter dem Erwerb der Fotoausrüstung steckt die Spekulation, den Zutritt zum ‚Club der Kreativität’ mitzukaufen, wobei dann gerade in dieser Gruppe das technisch-handwerkliche überbetont wird – der perfekte Fotoapparat wird zum Fetisch.
Wenn im folgenden von den Amateuren die Rede ist. So sind damit die zahlreichen Gelegenheitsknipser und ihre Gebrauchsweisen von Fotografie gemeint. Der Gebrauch den sie von der Fotografie machen, ist von bestimmten Anlässen wie Urlaub, Kinder etc. abhängig. Ihre Methode zu fotografieren ist in den seltensten Fällen bewußt an z.B. professionellen Maßstäben orientiert, d.h. an künstlerischen, ästhetischen Leitbildern, sondern eher Ergebnis indirekter Normenvermittlung durch die Massenmedien, die auf Lebensausgestaltung, Lebensqualität und deren positiver Darstellung (‚Frohen Herzens genießen’) abzielen und Konflikte und Problemsituationen weitgehend ausschließt.


















Einen Kommentar hinterlassen