Inhaltliche Stereotypen der Amateurfotografie
Personalisierung: Personendarstellungen (Kinder, Familie) bestimmen zum größten Teil die Fotografische Praxis der Gelegenheitsknipser. Joachim Kallnich (1977) ermittelte in einer empirischen Untersuchung, der 8886 Fotos aus Alben von Arbeiterfamilien zugrunde lagen, daß 85,8 % dieser Fotos Personendarstellungen waren. Mit 63,6 % lag dabei der Anteil der Gruppenbilder am höchsten. Von den Personendarstellungen wurden ca. 25 % auf Familienfesten/-feiern aufgenommen und ca. 28 % im Urlaub oder in der Freizeit.
Optimistischer Grundton – Heile Welt: In den Aufnahmen der Amateure dominiert die Idylle (Familienidylle, Urlaubsidylle). Oftmals sogar bis hart an die Grenzen des Kitsches, z.B. der tausendfach fotografierte Sonnenuntergang am Meer.
Bilder sollen positiv sein. Schon bei der Aufnahme achtet der Amateur darauf, indem er bspw. die posierenden Familienmitglieder auffordert ‚doch endlich zu lachen’. Die ‚Heile-Welt-Funktion’ von Amateurfotos wird auch dadurch bestätigt, daß in fast allen Schubkästen und Alben kaum Bilder aus der Arbeitswelt zu finden sind. Kallinich (1977) hat bei seiner Untersuchung einen Anteil von nur 3,7 % der Fotos zum Thema Arbeitswelt ermittelt. Von diesen 3,7 % waren wiederum 42,8 % Fotos von Betriebsfeiern.
Fakten- und Abbildrealismus: Der Einsatz der Fotografie durch die Amateure ist ein sehr gradliniger, direkter (Kamera draufhalten und losknipsen): Kopf und Körper müssen ganz auf dem Bild zu sehen sein, angeschnittene Köpfe oder Körper erregen Unwillen. Der Fakten- Abbildrealismus der Amateure verweist auch darauf, daß Fotografie eben nur abbildende Funktion hat, insoweit, daß die Kamera auch tatsächlich abbildet was wahr ist. Der Glaube an die Objektivität von Fotografie findet hierbei ganz naiv seinen Niederschlag. Die autonom-bildnerische Funktion im Sinne von Gestalten, künstlerischer Aufbereitung der Situation durch die Kamera, ist hier am wenigsten ausgeprägt. So ermittelt Kallnich (1977) 81,6 % Fotos, die rein abbildenden Charakter besitzen und den autonom-bildnerischen Anteil mit nur 18,4 %.

















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