Formale Stereotypen der Amateurfotografie

Tendenz zum Farbbild: Mit 75 – 80 % ist der Anteil der Farbbilder an der Gesamtproduktion der Amateure am höchsten. Man kann davon ausgehen, daß das Farbbild wohl insgesamt den Rezeptionsgewohnheiten der Gelegenheitsknipser entgegenkommt, da das Farbbild eine größere Affinität zur Realität besitzt, mithin den Abbildrealismus und den optimistischen Grundton der Amateurfotos unterstützt: während das Schwarz-Weiß-Foto Realität eher abstrahiert und diese Abstraktionsfähigkeit (Umsetzen farbiger Realität in Grautöne) schon beim Aufnahmeprozeß voraussetzt.

Der Blick aufs Objekt: Der Amateur rückt das, was er für fotografierenswert hält immer in die Mitte des Suchers, des Bildes. Diese Koppelung von Objekt und Bildmittelpunkt macht das fehlende Bewußtsein über die formalen Möglichkeiten der Fotografie deutlich.

Der Blick ins Objektiv: Bei fast allen Personenaufnahmen blickt das anvisierte Objekt, zumeist lachend, in die Kamera. Insofern könnte man diese Fotos als gestellte Bilder bezeichnen, da der Fotograf eben auch immer dieses Augenblick des Lachens und ‚in-die-Kamera-Schauens’ abpasst.

Die Totale: Der Amateur bevorzugt die totale Aufnahme, daß, was er in den Mittelpunkt seines Interesses rückt, muß entweder ganz auf dem Bild erscheinen oder gar nicht.

Die Stereotypen der Amateurfotografie sind Ausdruck eines insgesamt rückschrittlichen Bewusstseins über Fotografie. Die formalen und inhaltlichen Möglichkeiten werden nur zu einem sehr geringen Teil genutzt. Die Klischeeproduktion als gesellschaftlicher Ritus zu bestimmten Anlässen (Urlaub, Familienfeier etc.) verhindert geradezu einen reflektierten, bewußtseinserweiternden Umgang mit dem Medium Fotografie, indem sie dazu beiträgt, daß sich das Subjekt stärker gegen den sozialen Alltag abschottet und die Bildproduktion eher Flucht- und Illusionscharakter besitzt.

Unterteilt wird hier sehr stark in fotografierenswerte (heile Welt) und nichtfotografierenswerte Objekte (z.B. Arbeitswelt), ohne daß aber diese Unterteilung Ausdruck einer bewussten (inhaltlichen) Entscheidung ist, sondern Reproduktion gesellschaftlicher Normen, mithin als reaktiv ( im Gegensatz zu reflexiv) zu bezeichnen ist.
Im Vergleich der Stereotypen von Medienfotografie und Amateurfotografie wird dieser Zusammenhang der beiden in ihrer Funktion unterschiedlicher Gebrauchsweisen deutlich. Zwar verschieben sich die fotografierten Objekte – z.B. ‚Personalisierung’ in der Medienfotografie: Politiker, Wirtschaftsführer etc.; in der Amateurfotografie: die Familie in allen Varianten -, doch ist der inhaltlich-ästhetische und formale Gebrauch des Mediums Fotografie gleich, so daß wie hier feststellen können, daß die Amateurfotografie, sowohl in ihrem inhaltlich-ästhetischen, als auch in ihrem formalen Gebrauch eine Widerspiegelung der Medienfotografie ist.

Ebenso gilt die Aussage, daß Fotografie und Fotografieren sowohl formal als auch inhaltlich wesentlich massenmedial vermittelt werden. Die gesellschaftliche Wahrnehmungsverengung der Realität, die durch den eingeschränkten Gebrauch des Mediums vermittelt wird, findet ihren Ausdruck ebenso in der subjektiven Praxis der Amateure, obwohl die Wahrnehmung im praktisch-produktiven Umgang mit Fotografie prinzipiell erweitert werden könnte.

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • Reddit
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Alltagz
  • BlinkList
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarchiv
  • Live-MSN
  • Ma.gnolia
  • Netscape
  • Socializer
  • Tausendreporter
  • Technorati
  • YahooMyWeb

Einen Kommentar hinterlassen