Subjektives Bewußtsein und Fotografie
Nachdem nun in den vorangegangenen Beiträgen die tradierten Gebrauchsweisen der Fotografie im Hinblick auf die Bedeutung für die private Rezeption und Produktion von Fotos analysiert wurde, soll nun das Augenmerk auf die theoretischen Prinzipien ‚fotografischer Wahrnehmung’ und deren Wirkung auf das subjektive Bewußtsein und die Vergegenständlichung in Form privater Produktion von Fotos (Amateurfotos) gerichtet werden.
Gesellschaftliches Bewußtsein/Subjektives Bewußtsein: Das konkrete Sein der Menschen, die materiellen Lebensbedingungen (Stand der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse) ist die primäre Grundlage des gesellschaftlichen Bewusstseins einer speziellen Gesellschaftsformation (hier: der bürgerlich-kapitalistischen).
Gesellschaftliches Bewußtsein äußert sich in Vorstellungen, Ideen, Auffassungen, Kunst und Fotografie, somit können wir gesellschaftliches Bewußtsein als den ideellen Überbau einer Gesellschaftsformation bezeichnen; wobei gesellschaftliches Bewußtsein nicht nur als bloße schematische Widerspiegelung des materiellen Seins zu sehen ist, sondern auch auf das materielle Sein zurückwirkt, etwa in dem Sinne, daß gesellschaftliche Entwicklungen ideell vorweggenommen werden können.
Gesellschaftliches Bewußtsein existiert nicht an sich, d.h. es ist als Ganzes nicht konkret, sondern nur in vergegenständlichter Form erfahrbar. Eine der möglichen Vergegenständlichungsformen von gesellschaftlichem Bewußtsein ist die Fotografie. In das gesellschaftliche Bewußtsein geht aber auch das subjektive Bewußtsein einer Vielzahl von Menschen der speziellen Gesellschaftsformation ein; wobei subjektives Bewußtsein eine Ausprägung des gesellschaftlichen Bewusstseins auf der Folie der subjektives Erfahrungen (Sozialisation etc.) des einzelnen Menschen ist, und zwar in dem Sinne, daß das gesellschaftliche Bewußtsein im subjektiven Bewußtsein gebrochen wird.
So können wir die private Produktion des einzelnen Amateurs als Vergegenständlichung des subjektiven Bewusstseins auffassen.
Jedes einzelne privatim angefertigte Foto ist also nicht anderes als die subjektive Ausprägung subjektiven Bewusstseins und jenes ist nichts anderes als die Widerspiegelung gesellschaftlichen Bewusstseins. Die in diesem Zusammenhang interessante Frage – wie nun das fotografische Abbild bewußtseinsmäßig verarbeitet (erkannt und identifiziert) wird und wie es sich entäußert/vergegenständlicht – soll im folgenden analysiert werden.
Die Bewußseinsindustrie (Massenmedien) stellt als Transmitter von Fotografie den größten Teil der dem Menschen zugänglichen fotografischen Abbilder zur Verfügung. Diese fotografische Abbild-Produktion der Massenmedien gelangt über die Rezeption in das subjektive Bewußtsein. Hier muß also zunächst die Frage geklärt werden, wie das Foto wahrgenommen und erkannt wird und was die Wahrnehmung von Fotos prinzipiell von der Wahrnehmung der Wirklichkeit unterscheidet und welche Einflüsse diese Wahrnehmung auf das Bewußtsein hat.



















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