Einschränkung der Objektivität des fotografischen Zeichens durch Repertoireprobleme der Fotografie
Unter den „Repertoireproblemen“ (Brög, Hans 1979) von Fotografie wird hier die Gesamtheit der möglichen ‚Kompositionen’ eines fotografischen Abbildes verstanden, die bedingt sind durch die spezifisch fotografische Technik der Aufzeichnung von Realität, im Hinblick auf den Objektbezug des Fotos. Die Einschränkung der Objektivität des fotografischen Zeichens sind bedingt durch:
- die Wahl des Standortes des Fotoapparates
- die Wahl der Objektive, Brennweiten
- die Wahl des Aufnahmezeitpunktes
- die Belichtungszeit
- die Motivwahl
Jedes dieser fünf Elemente ist gleichermaßen entscheidend für die Eigenart des fotografischen Zeichens. Es sind dies aber auch Entscheidungen, die jeder Fotograf bei der Aufnahme eines Objektes trifft. So ist die Wahl des Standortes entscheidend, weil hier die Perspektive (Untersicht, Draufsicht, Seitenansicht) gewählt wird.
Jeweils unterschiedliche Brennweiten bedingen eine unterschiedliche räumliche Sichtweise, z.B. mit Hilfe eines Teleobjektives können Räume verkürzt werden, während das Weitwinkelobjektiv die einzelnen Objekte im Raum weiter auseinanderrückt.
Der Aufnahmezeitpunkt (Tag oder Nacht, aber auch verschiedene Jahreszeiten) läßt sich gerade in der Schwarz/Weiß-Fotografie nicht mehr so genau lokalisieren, da hier durch bspw. längere Belichtungszeiten bei Nachtfotos das fotografische Abbild wie ein bei Tag aufgenommenes Bild erscheinen kann.
Die Belichtungszeit ist insofern relevant, als daß z.B. ein Objekt verwaschen wirken kann (in der Fotografie und im Film immer ein Zeichen/ein Symbol für Bewegung), obwohl es im Augenblick der Aufnahme stillsteht; mit der Wahl der Belichtungszeit treffe ich also auch eine wesentliche Entscheidung, wie das fotografische Zeichen auf den Betrachter wirken soll. Ebenso entscheidend ist die Motivwahl, denn zur Charakterisierung eines Objektes (z.B. Wohnlandschaft) gibt es eine Vielzahl von möglichen Motiven (es ist bspw. möglich die Bewohner zu fotografieren, aber auch die Anordnung der Häuser).
Mit dieser kurzen und unvollständigen Charakterisierung der Möglichkeiten der Umsetzung von Wirklichkeit in das fotografische Zeichensystem wird klar, daß es eine Vielzahl von Umsetzungen und damit von fotografischen Zeichen gibt und letztlich das Foto als Ergebnis einer subjektiven Entscheidung des Fotografen und damit der Manipulation von Wirklichkeit ist.
So kann der Fotograf z.B.
„versuchen, Abbilder der Realität, die ihm aufgrund vorhandener Objektive möglich sind, so auszuwählen, daß sie im Bewußtsein des Rezipienten nicht für Objekte stehen, auf die sie sich eigentlich beziehen müßten. Der vom Autor erreichte Objektbezug im Bewußtsein des Rezipienten ist das Ergebnis geschickter Manipulation“ (Brög, Hans 1979).
Beispiel: Um den Eindruck einer Dünenlandschaft zu erwecken, genügt es, im Sandkasten bei bewusster Kontrolle des fotografischen Repertoires, einen Sandhaufen aufzunehmen.


















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