Monosemierung und Verallgemeinerung von fotografischen Zeichen
Die vielfältigen Beziehungen des fotografischen Zeichensystems sind in den meisten Fällen zu komplex, um dem Rezipienten ein eindeutiges Erfassen des Inhalts zu ermöglichen. Die vielfältigen Beziehungen, die visuelle Formen und Farben auf dem Abzug miteinander eingehen, führen zur Mehrdeutigkeit der Bildaussage, während in der diskursiven Sprache die Monosemierung (das Vorhandensein nur einer Bedeutung zu einem Wort, z.B. Kugelschreiber) von Inhalten vorherrscht.
Die Frage die sich hierbei stellt ist die, inwieweit man – bezogen auf die Bildsprache – die Mehrdeutigkeit, die Multiinterpretabilität von Fotoinhalten monosemieren bzw. verallgemeinern kann, um so ein für alle Subjekte erfassbares und eindeutiges ‚Alphabet’ der Bildsprache aufzustellen.
Hierzu läßt sich die These formulieren, daß ein Foto um so objektiver ist, je kleiner die Umgebung des Objektes des fotografischen Zeichens ist, und je kleiner die Umgebung, desto eher tendiert das Foto zur Eindeutigkeit (Monosemierung) und hat demnach den Abbau der Multiinterpretabilität zur Folge.
Unter der Umgebung eines fotografierten Objektes ist hier das Milieu, das Drumherum indem man das Objekt fotografiert zu verstehen. Mehrere Umgebungen um das eigentlich fotografierte Objekt haben auch verschiedene mögliche Inhalte zur Folge, so daß der Rezipient nicht mehr entschlüsseln kann, was denn nun eigentlich gemeint war.
Diese Mehrdeutigkeit provoziert beim Rezipienten vor allem Verunsicherung, die sich im Form von emotionalen Reaktionen äußert, in dem Sinne, daß keine Reflektion über die tatsächlichen Inhalte des Fotos stattfindet. Die Mehrdeutigkeit des fotografischen Zeichens begründet aber auch die Macht, die Überlegenheit, durch ihre subtile Wirkung, des Bildes über rationale Sprache.
„Man ist durch das Abbildhafte, das sofort erkennbar und vermeintlich eindeutig interpretierbar ist, das Ganzheitliche, das simultan Wahrnehmbare und nicht zuletzt durch das starke synästhetische Assoziationen auslösende Moment ‚zur Spontanität’ zur nicht immer reflektierten Handlungsschaft bereit. Bildsprache ist kennotativer als symbolische Sprache. Es ist klar, daß Bildsprache somit ideale Träger zur Beeinflussung von vielen Rezipienten in kürzester Zeit sind“ (Brög, Hans 1979).
Ein zweiter wichtiger Schritt zum Abbau der Mehrdeutigkeit von Fotos ist die Verallgemeinerung. Ein Foto lichtet immer nur Bruchstücke, Momente und Situationen ab, dadurch wird der Zusammenhang der Fotorealität und der Wirklichkeit nicht mehr entschlüsselbar für den Rezipienten, man könnte auch sagen beliebig interpretierbar.
„Nicht selten sagt man daher zu Recht, daß dies und jenes, was auf einem Foto zu sehen ist, überall hätte stattfinden können“ (Brög, Hans 1979).
Die Folgerung daraus ist, daß das Foto im Prinzip immer der Verallgemeinerung bedarf.
Die Aufhebung der Mehrdeutigkeit von Fotos mittels Monosemierung und Verallgemeinerung kann m.E. dadurch erreicht werden, daß man das Einzelfoto durch eine Fotoserie, eine Reportage ersetzt und so Zusammenhänge schafft, die der Reflexion zugänglich sind.
Eine andere Möglichkeit ist die gezielte Abstraktion, Reduktion der Umgebungen des Objektes (z.B. das Weglassen von Details), die zu einer eindeutigeres Bildaussage führt. Diese zweite Möglichkeit verstößt im Grunde genommen gegen das technische Prinzip von Fotografie (vom Beginn der Fotografie bis heute entwickelte sich die fotografische Technik hin zu immer feinkörnigeren Filmen, d.h. zu immer mehr Details).

















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