Verarbeitungsformen sinnlicher Erfahrung im Bewußtsein
Neben der sinnlichen Erkenntnis, die zu unmittelbarer sinnlicher Erfahrung führt, ist die denkende Erkenntnistätigkeit eine zweite Form der Erkenntnis. Dabei geht das Denken von den in der Wahrnehmung gewonnenen sinnlichen Daten aus und verarbeitet sie. Dabei ist das Denken eine entwickeltere Form der Erkenntnis, die sich von der sinnlichen Oberfläche des Gegenstandes lösen kann. Denken erfolgt in Prozessen symbolischer Repräsentation, wobei die Sprache das Medium ist, über das sich Denken vollzieht. Sie ist also Träger des Erkenntnisprozesses für denkende Erkenntnistätigkeit. Denken vollzieht sich in Begriffen, in Benennungen von Bedeutungsstrukturen.
Denken als Prozeß geschieht nach dem Muster der Wahrnehmung, d.h. Widersprüche werden elemeniert, komplexe Zusammenhänge nach ihrer oberflächlichen Struktur organisiert, wobei Denken als Erkenntnistätigkeit zu verstehen ist, d.h. es bildet sich nur auf Grundlage und durch die gesellschaftliche Praxis. Diese Praxis ist in der bürgerlichen Gesellschaft partikularisiert.
Die Folge ist die Zersplitterung menschlicher Erfahrungen, Vereinzelung, die wiederum vermittelt durch sinnliche Erkenntnis im Denken fortgesetzt wird. Komplexe Zusammenhänge sind für das Subjekt nicht greifbar. Der Effekt ist Geschlossenheit und Eindeutigkeit im Bewußtsein, das lediglich die Oberfläche der Objekte reproduziert. Diese Feststellung trifft zu für das Alltagsbewusstsein. Denken kann als eine entwickelte Form subjektiver Erkenntnis aber mehr leisten, sofern es problemlösendes Denken wird.
Wesen des problemlösenden Denkens ist, daß es sich Aufgaben stellt, also in Tätigkeit, in bewußte Auseinandersetzung um Mittel und Ziele des Subjektes mündet. Aber die Partikularisierung der Wirklichkeit hat zur Folge, daß selbst das problemlösende Denken in der bürgerlichen Gesellschaft den Einzelproblemen subjektiver Existenz verhaftet bleibt.
„ Der Unterschied liegt nur darin, daß die Stellung des Problems im bürgerlichen System kein aktives, schöpferisches Tun mehr ist, sondern lediglich ein passives, rezeptives Nachvollziehen, ein bloßes Zur-Kenntnis-Nehmen des naturwüchsig schon selbst entstandenen Widerspruchs zwischen Ziel und Mittel“ (Bayer/Bayer).
Damit ist Alltagserkenntnis (sinnliche Erkenntnis und denkende Erkenntnis) orientiert an der Oberfläche, den Scheinhaftigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft, eine Form des bloßen orientierenden Erkennens.


















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