Die Vergegenständlichung subjektiven Bewusstseins
Die Produktion von Fotos wird hier als Vergegenständlichung subjektiven Bewußtseins verstanden. Dabei ist der Aneigungsprozeß auf die Wirklichkeit gerichtet, die in diesem Fall das Objekt sinnlicher Erkenntnis ist. Die Fotografie kann in diesem Zusammenhang als Erkenntnismittel verstanden werden. Mit Hilfe der Fotografie spiegelt das Subjekt im fotografischen Abbild die objektive Wirklichkeit durch sein Bewußtsein hindurch. Somit ist das Foto immer Ergebnis einer bewußten Entscheidung, einer bewußten Auswahl innerhalb der realen Gegenstandswelt.
In die Produktion von Fotos gehen die Alltagserkenntnis (als Summe von Erfahrungen) des Subjektes in Form der Erfahrungen mit dem Medium Fotografie und seine gesellschaftlichen Erfahrungen (der spezielle Standort), d.h. die Gruppenzugehörigkeit, die jeweiligen Normen der Gruppe, mit ein. Der Akt des Fotografierens ist insoweit schon eine höhere Form der Aneignung, da er von der unmittelbaren Wirklichkeit abstrahiert ist. Mit Hilfe der Fotografie wird sinnliche Erkenntnis der Wirklichkeit vermittelt erfahren. Sie bleibt aber aufgrund der Begrenzung des sinnlichen Erkenntnisprozesses an der Oberfläche verhaftet, bloßes rezeptives Nachvollziehen von Wirklichkeit.
Festzuhalten ist hier auch, daß die Vergegenständlichung, die Produktion von Fotos, der Akt der Fotografierens nicht nur Widerspiegelung subjektiver Erfahrungen durch die Rezeption der Massenpresse ist, sondern auf Erfahrungen bei der Aneignung von Wirklichkeit durch die Fotografie beruht, d.h. z.B. wenn ich die Erfahrung machen, daß ich mit einem Teleobjektiv keine Gebäude aufnehmen kann, werde ich, sofern ich die Möglichkeit dazu besitze, das nächste mal auf ein Weitwinkelobjektiv zurückgreifen (insgesamt berührt dies den Punkt der Repertoireprobleme).
Diese Erfahrung wird, falls ich sie durch verstärkte Praxis bestätigt sehe, Eingang in das subjektive Bewußtsein finden. Und ebenso wird sie wieder auf die Rezeption von Fotos zurückwirken, indem ich fotografische Zeichen lerne zu entschlüsseln, weil ich Kenntnis über den Entstehungsprozeß besitze, so daß sich hier folgern läßt, daß ein Zusammenhang besteht zwischen sinnlicher Erkenntnistätigkeit (Wahrnehmung) und der Produktion von Fotos. Dieser Zusammenhang läßt sich wahrscheinlich sehr leicht mittels einer empirischen Untersuchung nachweisen.
Das als regressiv bezeichnete Bewußtsein über Fotografie, das sich darin ausdrückt, daß weder die Gesamtheit der technischen Möglichkeiten noch die inhaltlichen Möglichkeiten (durch Fotografie Problematisierung von Gesellschaft, der eigenen Existenz) genutzt werden (siehe Stereotypen), ist nicht nur ‚bloße’ Widerspiegelung der Ideologie der Fotografie, die durch die Bewußtseinsindustrie vermittelt wird, sondern ebenso Produkt der sich im Subjekt durch die Begrenzungen sinnlicher Erkenntnis im Laufe des Aneignungsprozesses herstellenden Alltagserkenntnis.
„Das Alltagsbewusstsein beruht viel mehr auf einer sich durch die Tätigkeit des Subjektes von selbst herstellenden Erkenntnis, die klebt an der Erscheinungsformen der oberflächlichen Wirklichkeit des bestehenden Gesellschaftssystems. Die durch die Wahrnehmung hergestellten Zusammenhänge sind deshalb auch niemals eine falsche, sondern lediglich eine oberflächliche Kennzeichnung der Wirklichkeit“ (Bayer/Bayer).
Fotografie als Widerspiegelung subjektiven Bewusstseins kann deshalb nie mehr sein als oberflächlich, sofern nicht von Seiten des Subjektes die Form des bloßen passiven, orientierenden Erkennens verlassen wird.



















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