Neue Wege der Fotografenhonorierung?
Aufsehen in der Welt des gängigen Bildagenturgeschäftes erregte das neue Vertriebs- und Abrechnungsmodell von picapp. Picapp ist eine Tochter von PicScout, einer israelisch/amerikanischen Firma die sich auf das sogenannte ‘Imagetracking’ (digitales Wiederauffinden von Bildern im Internet durch Robots) im grossen Stil spezialisiert hat. Zum Kundenportfolio gehören u.a. die grossen Drei (gettyimages, jupiterimages, corbis). Picapp ermöglicht für registrierte Blogger die kostenlose Verwendung von professionellen Stockphotos auf privaten Websites.
Die Einbindung erfolgt per eingebettetem Link (embedded link) und ist beschränkt auf ca. 500 pix (längste Kante). Der eingebettete Link enthält einen Referrer auf picapp. Somit kann jeder Klick auf das Bild, ähnlich wie bei google adwords nachvollzogen werden und ist damit zählbar. Das ist die technische Grundlage des Abrechnungsmodus. Die Bildagentur, bzw. der Fotograf erhält sein Honorar entsprechend der Clicks auf das gewählte Bild, bzw. die damit verbundenen Werbung.
Hier sehen Sie ein Beispiel für die Einbindung von picapp Bildern und die dazugehörige Werbung mit sponsored Links:

Image details: Paris Hilton - Fragrance Signing And Photocall served by picapp.com
Die Theorie hinter picapp hat zwei Standbeine:
- Erstens ist es unmöglich die massive Nutzung unautorisierter Bilder auf Blogs einzuschränken.
- Zweitens steigt auch die Menge an Werbung auf eben diesen Blogs mit rasanter Geschwindigkeit.
Es ist zudem unwahrscheinlich, dass Blogger damit anfangen für ihre Bilder zu zahlen. Vorstellbar aber ist es, dass ein Teil des Gewinns welcher durch Werbeeinnamen generiert wird an die Fotografen und Bildautoren zurückgeleitet wird.
Ursprünglich kam es durch einen Programmierfehler dazu das auch Bilder an denen Getty nicht alle Rechte besaß auf picapp auftauchten. Die Fotografen fühlten sich dadurch benachteiligt, da sie sich nicht vorstellen konnten von diesen Bildern zu profitieren. Inzwischen stehen bei picapp nur noch Bilder zur Verfügung bei denen Getty alle Lizenzrechte besitzt.
Dies heißt nicht, das Lizenz-Fotografen niemals die Möglichkeit haben werden von Werbeeinnahmen zu profitieren. Allerdings wird dieses Konzept von Anbietern wie Getty erst mit Bildern getestet bei denen alle Rechte bei der Agentur liegen.
Dieses Modell stösst bei Fotografen noch auf grosse Skepsis. Ein AdClick Modell zur Honorierung von Bildrechten ist relatives Neuland. In der jetzigen Lizenzlandschaft verlangt man für ein niedriges Volumen einen hohen Preis. Dies ist bei AdClick genau umgekehrt. Einem hohen Volumen (Anzahl der Clicks) folgt ein niedriger Preis, bei ständig steigendem Wachstum (so die Annahme).
Entwicklungen im Niedrighonorar Sektor
Im Jahr 2007 lizenzierte Getty ca. 500.000 RM (Rightsmanaged) Bilder. Durch iStock konnte sie dagegen 34 mal mehr Microstock Bilder lizenzieren mit einem durchschnittlichen Preis von $3.25. Ein beeindruckendes Wachstum im Niedrigpreisgeschäft steht also einer langsamen, aber stetigen Abnahme im Verkauf der teuren Einheiten gegenüber.
Man sollte die Idee der Niedrigpreisangebote also nicht ausschließen ohne sie gründlich untersucht zu haben, zumal der konventionelle Bildverkauf durch diese neue Option nicht beeinträchtigt wird. Man kann spekulieren das in Zukunft die Anzahl der Werbeklicks auf Bloggerseiten viel höher sein wird als die Menge der heruntergeladenen Microstock Bilder.
Mögliche Vorteile des neuen Modells
Ein entscheidender Vorteil der paid by clicks Methode ist, dass der Stückpreis für jede lizenzierte Einheit konstant bleibt. Bisher konnte es nämlich geschehen, dass bei hohen Volumina von lizenzpflichtigen Bildern ein nicht unerheblicher Rabatt auf den Einzelpreis gegeben wurde.
Beispiel Plakate: die durchschnittliche Lizenzgebühr pro Bild beträgt hier bei einer Grösse von DIN A6 und einer Auflage von 10.000 Exemplaren ca. 500 EURO. Das ist ein Stückpreis von 5 EUROCENT pro Bild. Hiinzu kommt, das eine wirkliche Kontrolle der Auflage und damit des Stückpreises nicht möglich ist.
Wenn jedoch alle diese Bilder durch picapp zur Verfügung gestellt würden und man pro Bild 25 EUROCENT verlangen würde, kommt man auf 2.500 EURO pro 10.000 Exemplaren und damit auf den 5fachen Umsatz pro Bild. Natürlich nur unter der Vorraussetzung, das sowohl Lizenzbestimmungen und Technik nur die Verwendung eines Downloads pro Plakat zulassen.


















R. Kneschke:
Es gibt doch genügend Blogs, die lizensierte Fotos benutzen, wenn auch meist aus dem Microstock-Bereich… Sobald Getty mit istock halbwegs den einen Trend zu billigeren Bildern abfangen konnte, erschweren sie es nun istock mit Gratis-Fotos? *amkopfkratz*
18 Mai 2008, 9:05 pmLizenzfrei und kostenlos at Andrea’s Welt:
[...] Infos zu Picapp gibts *hier* abgelegt unter Kram [...]
27 Juli 2008, 1:20 pm