Moeglichkeiten einer fortschrittlichen Verwendung von Fotografie
Abgelegt unter: Bildwissenschaft, Fotografie und Bewußtsein
Möglichkeiten einer fortschrittlichen Nutzung des Mediums Fotografie sollen in diesem Beitrag angeschnitten und diskutiert werden. Eine Möglichkeit wurde schon in dem Abschnitt ‚Vergegenständlichung’ angesprochen: der Zusammenhang von verstärkter Praxis und vermehrter Kenntnis über die formal-technischen Eigenschaften von Fotografie. Die gesellschaftliche Praxis der engagierten Amateurfotografen zeigt, daß diese Tatsache nur begrenzte Auswirkungen hat.
Die engagierten Amateure sind diejenigen, die von den privaten Produzenten die größte Praxis besitzen und mit technischen Fragen der Fotografie vertraut sind. Die Produkte ihrer Tätigkeit sind anspruchsvoller, spiegeln jedoch ebenso den ästhetischen Schein, die Oberfläche der Objekte wider, wie die Fotografie in den Massenmedien. Erfahrungen, die aufgrund der Verwendung von Fotografie als Erkenntnismittel entstanden sind, bleiben also der sinnlichen Erkenntnis verhaftet und haben demnach keine differenzierte, problematisierende Darstellung von Wirklichkeit zur Folge.
Eine weitere Möglichkeit, die sich aus dem Wesen des fotografischen Abbildes ergibt, wäre es die Komplexität des Fotos auszunutzen, denn die Komplexität des fotografischen Abbildes hat Subtilität zur Folge, läßt vielfache Beziehungen zu und kann Brüche aufdecken und so evtl. Anlaß für Problematisierung und Reflexion sein. Dem steht aber wiederum die Begrenzung der Wahrnehmung entgegen (Tendenz zur Eindeutigkeit, Geschlossenheit etc.) und damit verbunden die fehlende Kenntnis über Bedeutung und Aussagewirkung fotografischer Zeichen.
Selbst dann, wenn die Multiinterpretabilität des Fotos durch Monosemierung und Verallgemeinerung aufgehoben würde – abgesehen davon, daß dieser Vorgang Ausdruck eines bewussten Prozesses wäre, wäre die sinnliche Erkenntnis allein der Oberfläche verhaftet und von Seiten der Bewusstseinsindustrie würde unter gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen keine Veränderung der Inhalte in Richtung auf eine problematisierte Sichtweise von Realität erfolgen.
Ebenso blind wäre es zu vermuten, daß ökonomische Qualität (die massenhafte Produktion von Fotogeräten) irgendwann in soziale Qualität umschlägt, in einer Art Automatismus, wie das teilweise von der ‚Arbeiterfotografie’ vertreten wurde, d.h. die massenhafte Verbreitung hochwertiger Fotoapparate und Kenntnis über den entsprechenden Gebrauch dieser Geräte reichen alleine nicht aus.
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