Der Fotograf als Bildverkäufer - Bildvermarktung im digitalen Zeitalter
Grundsätzlich hat ein Fotograf vier Möglichkeiten für den Aufbau einer eigenen Existenz und damit dem Verkauf seiner Bilder. Sollte er sich dazu entschliessen ist ein selbstkritischer Blick auf den Bildermarkt angebracht. In Zeiten der digitalen Bilderflut von Amateuren (Stichwort: Photosharing) und konkurrierenden Fotografen sollten sich die eigenen Arbeiten von der Masse deutlich abheben um überhaupt eine Vermarktungschance zu besitzen. Es empfiehlt sich das Angebot der Marktführer Getty Images, Corbis, Alamy und Jupiter Images im Hinblick auf die angestrebte Nische zu studieren. Heben sich die eigenen Bilder nicht erheblich von den dort angebotenen ab, sollte er sich damit abfinden das Heer der arbeitslosen Fotografen zu vergrössern, seine Bilder einer drittklassigen Bildagentur überlassen oder sie kostenlos in irgendein Photosharingportal (Flickr o.ä.) einspeisen.
Selbstvermarktung
Sind die Fotos marktfähig (inhaltlich und technisch) hat er erstens die Möglichkeit der Selbstvermarktung über eine eigene Website. Diese setzt KnowHow, technische und finanzielle Mittel, mithin einen vernünftigen Businessplan voraus. Allein damit ist der Vermarktungserfolg nicht garantiert. Der Aufwand um in den Suchenmaschinen ganz vorne dabei zu sein ist enorm hoch. Und der Kunde sucht sich natürlich den einfachsten und schnellsten Weg bei der webbasierten Bildsuche. Jedoch trägt eine gut gemachte suchmaschinentaugliche Website zum Image- und Brandbuilding bei.
Fotografenportale
Zur Überwindung der technischen und finanziellen Barriere beim Aufbau der eigenen Website empfiehlt sich der Einkauf in eine Vermarktungsplattform. Die größten sind Digitalrailroad, Ipnstock und bis vor Kurzem auch noch Photoshelter. Photoshelter war mit seinem Vermarktungskonzept nicht erfolgreich und hat seine Services eingestellt. Allen gemeinsam ist das Grundprinzip: Ein Fotograf kauft sich mit seinem Archiv in das Portal ein. Er erhält zumeist eine eigene Website, ein Portfolio und ein Shopsystem. Das Portal stellt Services, Suchmöglichkeiten, Vermarktung und zumeist Abrechnungstools zur Verfügung. Die jährliche Gebühr bewegt sich zwischen 300,00 und 1.200,00 EURO, zusätzlich wird eine Set-Up Gebühr fällig.
Traditionelle Bildagenturen
Klassische Beispiele für diese Kategorie sind Getty Images, Corbis oder Spezialbildagenturen wie Stockfood oder medicalpicture. Diese Agenturen verkaufen zumeist im hochpreisigen RM und RF Segment des Marktes und bedienen einen Grossteil des Werbe- und Editorial-Bildermarktes. Entsprechend hoch ist der Revenue Share (Anteil an den Erlösen) für den Fotografen. Der profitiert mit einem Anteil von 35% (Getty Images) bis 50% an den Nettoerlösen der Bildagenturen. Hierbei ist nicht nur der Revenue Share massgebend, sondern die Platzierung, bzw. die Umsätze der Bildagentur im Markt.
Beispiel: 35% von 1000,00 EURO sind mehr als 50% von 100,00 EURO für den Fotografen.
Microstock Agenturen
Diese relativ neue Gruppe von Low-Price Bildagenturen ist ohne Web 2.0 nicht denkbar. Beispiele: Shutterstock, fotolia, iStockphoto. OpenSource Technologien und niedrige Kosten lassen immer mehr Klone berühmter Vorbilder, wie iStockphoto entstehen. Die meisten Microstock Agenturen erwirtschaften nach Branchenanalysen noch keinen Gewinn. Der Verkauf an den Endkunden erfolgt entweder als Einzelbild oder im Abo, bzw. der Flatrate. Shutterstock verfolgt ausschliesslich den Verkauf von Abos. Hier erhält der Fotograf ein Honorar von 0,25$ pro Download. Die Preise beim Einzelbildverkauf bewegen sich überwiegend in der Preisspanne von 1,00 EURO bis 10,00 EURO. iStockphoto zahlt dem nicht exklusiven Fotografen hiervon 20% Revenue Share und dem exklusiven Fotografen 40% Anteil. Aufwendige Produktionen lohnen sich nicht wirklich bei diesen Marktpreisen. Zudem konkurriert man bei diesen Agenturen noch mit Amateuren, für die das Pricing eher zweitrangig ist.
Vergleich trad. Bildagenturen und Microstock
Ein Vergleich der Vermarktungskonzepte ist nur für den Massenmarkt, den digitalen Bildermainstream, möglich. So wurde in 2007 ein durchschnittliches iStockphoto rund 35 mal mehr als ein Getty RM Photo, bzw. 18 mal mehr als ein Getty RF Photo heruntergeladen. Der durchschnittle Verkaufspreis betrug bei iStockphoto ca. 3,00 EURO und bei Getty Images RM ca. 400,00 EURO bei einem Verkauf. Die Rechnung ist einfach: Bei Microstock findet eine ungeheure Wertvernichtung von fotografischen Resourcen statt. Aufgefangen wird dies seitens der Microstockagenturen über den ständigen Zustrom neuer Bilder und den permanenten Kampf um Marktanteile.
Agenten, Imagebroker
Der klassische Agent vertritt einige ausgewählte Fotografen und aquiriert mit diesem Portfolio neue Aufträge und Kunden. In Zeiten des Internet tritt diese Art der Repräsentation immer mehr in den Hintergrund und ist nur noch für hochklassige Segmente und Fotografen interessant (vor allem in der Werbefotografie). Abgelöst wurde der klassische Agent durch den Imagebroker, der zumeist webbasiert einen ganzen Pool von Fotografen vermarktet. Hierbei schliesst der Fotograf einen Vertrag mit dem Broker ab. Dieser garantiert ihm den klassischen Revenue Share. Der Imagebroker wiederrum agiert auf dem Markt als Bilder-Grosshändler und schliesst weitere Verträge mit anderen Vermarktern (Agenturen, Portalen, etc.) ab. In den meisten Fällen muss der Fotograf einen zweiten oder dritten Einschnitt seines Honorars, bedingt durch die zahlreichen Wiederverkäufer, akzeptieren.
Beispiel: Ein RM Bild wird von einem Wiederverkäufer für 200,00 Euro lizensiert. Der Wiederverkäufer erhält einen Anteil von 40% und bezahlt einem Agenten 120,00 EURO. Der Agent behält 60% und zahlt dem Imagebroker 72,00 EURO. Der Imagebroker behält einen Anteil von 60% und zahlt dem Fotografen am Ende ein Honorar 29,00 EURO.
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