Donnerstag, 29 Juli, 2010

Crowdsourcing erreicht Grafikdesigner

Dezember 8, 2008 von picturetom · Kommentar verfassen 

Ursprünglich erdachten Grafikdesigner die Microstock Bildagenturen, mit dem Ziel der preiswerten Bildbeschaffung für die eigenen Projekte. Um Honorare zu sparen, teilte man sich die Fotos mit anderen Anwendern, versuchte engagierte Hobbyfotografen und Amateure zu motivieren und diese an die Microstock Idee mit eigenen Portfolios zu binden. Im Ergebnis wurde so die Vormachtstellung der klassischen Bildanbieter gebrochen und der Berufsstand der Fotografen schwer getroffen. Das dazugehörige Instrument heisst Crowdsourcing (ein weiteres Stichwort ist user generated content) und bezeichnet die Auslagerung von Aufgaben auf die Arbeitskraft einer Masse von Freizeitarbeitern im Internet. Diese faktisch unendliche Zahl von kostenlosen oder niedrig bezahlten Amateuren generiert freiwillig jede Form von Inhalten.

Jetzt waren Designer in der Lage zu LowBudget Preisen Ihre Kunden zu halten und neue Kunden zu gewinnen. Durch die LowCost Spirale sank das Honorarvolumen der Etats der Werbeagenturen insgesamt. Der einzelne Designer machte durch die Einsparungen beim Bilderkauf kurzzeitig mehr Gewinn, indem er die niedrigen Einkaufspreise nur spärlich weitergab. Bis immer mehr Designer auf diesen Zug sprangen und die Etats der Werber weiter nach unten drückten.

Für professionelle Fotografen bedeuteten die Low Budget Honorare weniger Kunden und einen ständig sinkenden Anteil am Gesamtbudget, bspw. der Werbeagenturen und Industriekunden. Sie standen mit aller Konsequenz plötzlich am Ende der medialen Nahrungskette.

Es dauerte in Zeiten des WEB 2.0 nicht lange und Crowdsourcing holte seine Gründer ein. Mittlerweile sammeln unterschiedliche Internetportale professionelle Grafiker, Studenten, Praktikanten und Berufsneulinge um preiswerte Arbeiten und ganze Portfolios zu generieren. Seiten wie 99designs und crowdSPRING schreiben Wettbewerbe aus, bei denen Designer mit fertigen Designs um die Gunst des Kunden werben.

Die Preise sind haarsträubend niedrig und bewegen sich sehr oft in der Spanne von 100 bis 300 Dollar. Preise und Briefing werden vom Kunden auf diesen Plattformen gepostet. Mehrere Designer wetteifern, natürlich ohne Garantie, um den Zuschlag. Der Kunde erhält so für den Preis eines Royaltyfree Bildes eine komplette CI. Diese Idee wurde übrigens von microshooting.de, dem deutschen Marktplatz für Auftragsfotografie kopiert.

Beim launch von crowdSPRING forderte man die User auf die gesamte Website zu redesignen. Als Preis wurden 5.000 Dollar ausgelobt. Insgesamt 418 Designer beteiligten sich mit jeweils einem kompletten Redesign. Ein holländischer Student gewann, die anderen 417 schauten in die Röhre. Gewinner waren die Portalbetreiber, die bei einem vergleichbaren Auftrag an eine Agentur wahrscheinlich eher 50.000 Dollar bezahlt hätten.

Die Auftraggeber lieben das System, man umgeht Pitches und erhält zu absoluten Dumpingpreisen eine grosse Auswahl von fertigen Entwürfen. Crowdsourcing führt Fotografen und Designer wieder auf Augenhöhe im Nirwana des LowBudget zusammen.

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