Sonntag, 14 März, 2010

Mehr Microstock – mehr Bilder – mehr Demokratie

März 26, 2009 von picturetom · 1 Kommentar 

Mit der Entwicklung der Microstock Bildagenturen verschwand kurzfristig die Allmacht der marktführenden Stockagenturen. Diese Demokratisierung des Bildermarktes führte zu einer Interessenverschiebung: Jeder kann theoretisch Fotografen und deren Fotografien vertreiben, jeder kann bei den unterschiedlichen Portalen Kunde werden. Oft tritt der bisherige Kunde in der Doppelrolle des Produzenten und des Käufers auf.

Kannibalisierung
Diese Entwicklung führte zu einer unbestreitbaren Kannibalisierung. Oft sogar in der eigenen Company. So verschieben sich die Umsätze bei Gettyimages bspw. stetig zugunsten der Microstock-Tochter iStockphoto. Bisherige Stützen des Umsatzes (RMI, Editorialfotografie, …) brechen ein.

Neuer Markt
Der neu entdeckte Markt, dessen Potenzial sich vor allem in Europa erst langsam entwickelt hat neue Bildquellen sichtbar gemacht und neue Talente nach oben gespült. Oft fällt es jedoch schwer zwischen der schieren Masse, wahre Qualität zu entdecken.

Bildeinkäufer
Die Gewinner sind die Bildeinkäufer. Denen Microstock den Ersatz des teuren Premiumstock durch Niedrigpreisbilder ermöglichte. Zusätzliche Käuferschichten, wie kleine Ein-Mann-Agenturen, nonprofit Organisationen, Blogger und Privatpersonen, wurden akquiriert.

Hobbyfotografen
Hobbyfotografen holen sich positives Selbstwertgefühl bei erfolgreichen Verkäufen über Microstockportale. Das sich die Umsätze für die meisten im Centbereich bewegen stört anscheinend nur wenige. Für ambitionierte Amateure entwickeln sich unter Umständen neue Sprungbretter ins professionelle Lager.

Übersättigung
Die Übersättigung des Marktes durch die grosse Anzahl der Anbieter zeigt bereits jetzt Wirkung. Microstock hat diesen Trend für die nächsten Jahre verstärkt und zementiert. Auch die neuen Käuferschichten fangen diesen Trend auf absehbare Zeit nicht auf.
Die Schere zwischen der rapide wachsenden Bildproduktion und der Nachfrage wird weiter auseinandergehen. Der Bildstrom wächst schneller als die Bildverkäufe. Vor allem in der Finanzkrise werden die Budgets knapper.

Konsequenz
Der RPI (Preis pro Bild) wird nicht nur Microstocksegment weiter fallen. Der Preisdruck auf die Verwerter wird stärker und die Konkurrenz der Bildproduzenten wird weiter wachsen.

Bildproduzenten
Produktionen für Microstock werden sich für den Fotografen nicht mehr rechnen. Er muss also seine Produktion einschränken oder versuchen in die Regie der RMI (rights managed images) Bildproduzenten aufzusteigen. Denn nur dort ist langfristig ein solides Einkommen zu erzielen.
Gerade in letzter Zeit verströmen die Foren der zahlreichen Microstockportale eine stetig steigende Unzufriedenheit der Bildproduzenten mit Ihren Verwertern. Nach der Überschwemmung des Marktes zu Niedrigpreisen bleibt immer weniger Honorar bei dem einzelnen Bildautoren hängen. Prompt sehen sich die ehemaligen Akteure des Dumping als Opfer.
Kritikpunkte sind bspw.: der niedrige 20% Share von iStockphoto, die zahlreichen Subskriptionsmodelle bei fotolia, Dreamstime und ganz allgemein zu niedrige Bildpreise …

Die Revolution frisst ihre Kinder
Communityportale, die die Basis der Microstockagenturen darstellten, verwandeln sich in solide Firmen mit unterschiedlichen Bezahlmodellen und Kollektionen. Klassische Microstockagenturen haben die revolutionäre Phase des Communitybuilding und der wavigen Markteroberung verlassen. Entweder werden sie ab jetzt von den grossen Verwertern der Branche gefressen oder sie müssen sich in Richtung der klassischen Bildagenturen bewegen.

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Kommentare

Eine Antwort nach “Mehr Microstock – mehr Bilder – mehr Demokratie”
  1. D-Photo sagt:

    Billigfotoanbieter gibt ist genügend, doch was sollen Qualitätsagenturen mit guten Preisleistungsverhältniss tun? Noch günstiger??

    Auf keinen Fall !! Die Agenturen sollten sich bei einer Tagung zusammenschließen und über die Probleme sprechen. Ich würde sagen das man die Preise so behält wie Sie sind. Keine Rabatte. Keine Vergünstigungen. Irgendwann merken die Verlage das es bei hochwertigem Textmaterial auch hochwertiges Bildmaterial verlangt. Die Medien die auf sichtliches Biligmaterial vertrauen, werden Ihre Anspruchsvolle Lesern verlieren und somit ihre Mediadatenpreise senken. Gewonnen? Nein.

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