Freitag, 3 September, 2010

Digitale Reichtümer heben

Mai 13, 2009 von picturetom · 5 Kommentare 

Früher wurden Inhalte und Medien ausschliesslich in Papierform produziert. Es war zumeist die Aufgabe von Verwaltungen und unternehmensinternen Archiven diese Dokumente zu bewahren und zu strukturieren. Immer mehr Inhalte (Broschüren, Flyer, Produktbeschreibungen, …) liegen jedoch ausschließlich in digitaler Form vor. Dabei kann es sich um die elektronische Form von Printmedien (bspw. PDFs) , aber auch um Bilddaten, Audio- und Videomaterial, Texte, Softwareprodukte, Online-Lehrgänge aus Lernplattformen, Datenbanken und vieles mehr handeln

Vielfach werden Online-Ressourcen jedoch nicht ganz ernst genommen: Was zählt, ist eine Publikation in einer Zeitschrift, alles andere ist bestenfalls schmückendes Beiwerk. Einerseits liegt das an einer gewissen Trägheit der jeweiligen Strukturen bei der Akzeptanz neuer Medien und teilweise wohl auch an wirtschaftlichen Interessen; andererseits fehlt digitalen Ressourcen tatsächlich noch einiges, was bei gedruckten Assets durch etablierte Standards gegeben ist.

Ein Hauptproblem digitaler Ressourcen ist ihre Flüchtigkeit. Während sich an Gedrucktem kaum je etwas ändert, sind digitale Medien ständig im Fluss, z.B. bei Produktbildern von neuen Produktversionen. Eine direkte Konsequenz der Flüchtigkeit ist die mangelnde Auffindbarkeit.

Anforderungen an ein Digital Asset Management System

Die Behandlung bei der Aufbewah­rung gedruckter Dokumente sind bekannt. Trotz Verlust durch Brand, Krieg, Diebstahl oder den Faktor Zeit sind viele Schrif­ten aus früheren Jahrhunderten erhalten, viele in einem bemerkenswert guten Zustand: Säurefreies Papier zum Beispiel über­dauert mehrere hundert Jahre, alte Pergamente sind bis heute bemerkenswert gut erhalten.

Bei digitalen Assets ist die Haltbarkeit des physikalischen Mediums wesentlich kürzer als die Jahrhunderte, die Papier überdauern kann: Festplatten können streiken, Magnetbänder demagnitisieren, was sie oft un­lesbar macht. Über die Haltbarkeit von digitalen Trägermedien, wie CD und DVD ist wenig bekannt.

Im Gegensatz zu Druckmedien lassen sich digitale Assets verlustfrei kopieren: Es gibt keinen Unterschied zwischen Original und Kopie. Deshalb ist die Vergänglichkeit der physikalischen Medien nur insoweit ein Problem, als das ein regelmäßiges Sichern (Speichern, Replizieren) auf die neuesten Datenträger notwendig ist.

Die Probleme der digitalen Langzeitarchivierung liegen anderswo: Digitale Ob­jekte brauchen einen Speicherort, der dauerhaft ist. Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass die verwandten Datenformate auch in Zu­kunft lesbar sind.

Bei älteren Datenträgern wie Magnetband oder Disketten ist z.B. das Lesen der Daten erschwert, weil es mittlerweile an entsprechenden Geräten und Lauf­wer­ken fehlt. Sicherheit für die Zukunft und die nächsten Generationen erhält man bei der Archivierung und Speicherung von digitalen Assets allein durch die Beschränkung auf Stan­dard-Industrie-Formate, die zusätzlich self-contained sein sollen (d.h. alle Informationen sind im bestehenden Asset enthalten).

Metadaten strukturieren Assets

Ein digitales Objekt (Foto, Grafik, Text, Datei, PDF, …) ohne Beschriftung (Metadaten) und Zuordnung ist auch für digitale Asset Managementsysteme praktisch wertlos. Mindestvoraussetzungen bei der Archivierung von digitalen Assets  sind die Erfassung der Beschreibung des Objektes, von Autor, ev. Verwerter, Erstellungsdatum, Ort, Bildrechte, usw. Diese Zusatzinformationen bezeichnet man als Metadaten.

Unter Metadaten (Daten beschreiben Daten) versteht man eine Datenstruktur, die eine Informationsressource beschreibt  und damit besser auffindbar macht. Von Tim Berners-Lee, dem Erfinder des World Wide Web und Direktor des World Wide Web Consortiums (W3C), stammt die Definition:

“Metadaten sind maschinenlesbare Informationen über elektronische Ressourcen oder andere Dinge.”

Metadaten liefern die Grundinformationen über Daten und Dokumente, wie z.B. Angaben über Autor, Titel oder Aufnahme- bzw. Veröffentlichungsdatum. Der effektive Einsatz von Metadaten setzt einen gewissen Grad an Standardisierung voraus. Dem entgegen steht das überpropotional wachsende Informationsangebot im Internet und der plattformabhängigen Suchmaschinen, für dessen Bewältigung neue Ansätze der Metadatendefinition gefunden werden müssen.

Die Standardisierung der Metadaten ist genauso wichtig, wie Standards bei der Langzeitarchivierung. Denn nur bei einheitlichen Standards der Beschriftung ist ein Austausch von Assets zwischen unterschiedlichen Systemen oder bei Softwarewechsel möglich. Eine einheitliche Suche über die Grenzen von Systemen oder Applikationen hinweg funktioniert ebenso nur mit standardisierten Metadaten.

Metadaten erschließen Daten. Ohne sie braucht man ein fabelhaftes Gedächtnis, um auch Jahre später noch zu wissen, wie aus archivierten Daten wieder Informationen werden sollen. Ein tragisches Beispiel eines Datenfriedhofs ohne Metadaten sind die Speicherbänder der frühen Raumfahrtprojekte der NASA, die deshalb unbrauchbar geworden sind, weil die NASA sie nicht beschriftet hat, also niemand mehr herausbekommt, was sich eigentlich auf ihnen befindet. (Martin Warnke, Daten und Metadaten – Online-Ressourcen für die Bildwissenschaft)

Metadaten-Standards im Web

Der wichtigste Metadaten-Standard für das Web, der 1994 definiert wurde, ist der so genannte Dublin Core-Stan­dard. Dieses Metadatenmodell ist seit 1995 in fachübergreifenden Diskussion zwischen Informatikern, Wissenschaftlern und Bibliothekaren gewachsen und besteht derzeit aus 15 Elementen zur Ressourcenbeschreibung. Es ist bewußt einfach gehalten, damit die Produzenten von Dokumenten die entsprechenden Metadaten gegebenenfalls selber generieren können, ohne dabei auf teures Personal zurückgreifen zu müssen. Insgesamt ist die Dublin-Core-Initiative eine engagierte Reaktion auf die Datenflut des World Wide Web und bietet einen passablen Ansatzpunkt für die Recherche im Web.

Im wissenschaftlich-bibliothekarischen Bereich werden die Metadaten nach dem Regelwerk RAK-WB (Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken) vergeben. Für die Geowissenschaften ist dies der Content Standards for Digital Geospatial Metadata.

Metadaten-Standards im Digital Asset Management

Standards oder Versuche der Standardisierung für digitale Bilder gibt es bereits mehrere. Der bekannteste ist der IPTC Standard des International Press Telecommunications Council. Er gilt als einer der ältesten Standards der Bildbeschreibung und wird von allen grossen Bildagenturen, professionellen Bildverwendern, Media Asset Management Systemen und Bildportalen eingesetzt. IPTC Metainformationen werden unsichtbar im sog. Header einer Bilddatei gespeichert und informieren den Verwender über Inhalt, Verwertungs- und Verwendungsrechte eines Bildes. Diese Informationen umfassen nicht nur technische Details, sondern vor allem beschreibende/redaktionelle Inhalte. IPTC Informationen können in den Standardbildformaten JPEG und TIFF enthalten sein.

Eher technische Metainformationen liefert das EXIF FormatExchangeable Image File Format. So gut wie jede digitale Kamera erzeugt dieses EXIF-Format automatisch für jedes Bild. Darin enthalten sind z.B. Aufnahmedatum, Zeit, Aufnahmegerät, Blende, Verschlusszeit, etc. Neuerdings bei Kamera mit GPS sogar die Geodaten. Auch diese Informationen werden wie bei IPTC im Dateiheader gespeichert.

Das von Adobe (Photoshop) favorisierte XMLExtensible Markup Language basiert auf SGML und ist letztlich eine Erweiterung des im Internet verwendeten HTML. Mit XML werden Dateninhalte strukturiert und der unkomplizierte systemunabhängige Datenaustausch möglich.

Suchen und Finden

Allein die Digitalisierung der Assets und die nachfolgende Archiverung reichen nicht aus. Ein professionelles DAM lebt von der Produktivität der User und des Systems.  Dazu gehört eine effiziente Suche, die alle im DAM verwalteten Objekte und Metadaten umfasst. Tatsächlich ist der physikalische Zugriff nicht unbedingt nötig. Für ein DAM reicht die Verwaltung der Verweise auf den Fundort des Objektes, d.h.  anstelle des eigentlichen Objekts enthält es nur einen Verweis, wo dieses zu finden ist.

Eine wichtige Komponente sind die Tools bei der Erfassung und Pflege von Daten, z.B. die automatisierte Generierung von Metadaten aus den Daten selbst.  Bei Bilddateien kommen wichtige Funktionen hinzu, wie das Ge­ne­rieren verschiedener Formate, Qualitätsstufen und Auflösungen, verschiedene Methoden der  Darstellung usw.

Weblinks
RAK-WB (Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken)
Dublin Core Metadata Initiative
Content Standards for Digital Geospatial Metadata
IIM-Standard der IPTC
IPTC Homepage
Ausführliche englische IPTC Doku
ISO Ländercodes
Exchangeable Image File Format
Extensible Markup Language
Digitale Rechteverwaltung auf wikipedia

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Kommentare

5 Antworten nach “Digitale Reichtümer heben”
  1. picturetom sagt:

    Digitale Reichtümer heben auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/4kBctQ

  2. picturetom sagt:

    Digitale Reichtümer heben auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/4kBctQ

  3. Ich habe gerade einen interessanten Beitrag zum Thema “Flüchtigkeit digitaler Informationen” gelesen. http://snipurl.com/qrnsk

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  1. Webnews.de sagt:

    Digitale Reichtümer heben…

    picturetom über die Anforderungen an ein Digital Asset Management System. Die Behandlung bei der A…

  2. [...] gedruckten Assets durch etablierte Standards gegeben ist. Den vollständigen Text finden Sie hier http://www.picturetom.com/2009/05/13/digitale-reichtuemer-heben/ Pressekontakt Thomas Schmidt Vogelsanger Str. 64 50823 Köln fon: 0049 221 3013091 mail: [...]



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