Google Gutmenschen unter Beschuss
September 2, 2009 von picturetom · 2 Kommentare
Alle Autoren kennen das Problem: Plötzlich tauchen Bilder, Werke, Bücher oder Texte in den Google Suchergebnissen auf, ohne dass Google je eine Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt hätte. Die Gut-Menschen (eigene Definition) aus Kalifornieren meinen es ja nicht böse! Das Prinzip ist immer gleich. Google handelt erst und versucht sich dann in einem weiteren Schritt mit den betroffenen Rechteinhabern zu einigen. Möglichst natürlich in Form eines Verlgeiches, hinterlegt bei einem US-Gericht. In solchen Fällen offeriert Google zumeist eine gewisse Geldsumme und hofft auf die Zustimmung der Betroffenen in diesem Vergleich. Stimmt das US-Gericht dieser Vereinbarung zu und hält die Entschädigung für angemessen, ist ein Einspruch nicht mehr möglich. In diesem konkreten Fall ist die Google Buchsuche Grundlage des Rechtsstreites.
Google digitalisiert seit 2004 in großem Umfang Bücher, die nicht mehr verlegt werden. Der Konzern will so im Sinne des Google Gutmenschentums vergriffene Bücher wieder kommerziell verfügbar machen. Dagegen hatten Autoren und Verlage in Amerika geklagt. Beide Seiten hatten sich auf einen Vergleich verständigt, der nun noch von einem Gericht bestätigt werden muss. Er gilt nach dem Beschluss des US-Gerichtes weltweit für alle Autoren. Das Gericht will in einer Anhörung am 7. Oktober über den Vergleich entscheiden.
Bundesregierung bezieht Stellung gegen Vergleich
Für die Autoren (Bild- und Textautoren) bedeutet dies, dass Sie danach nur noch sehr beschränkt Anspruch auf Nutzungshonorare erheben können. Geistiges Eigentum wird durch Google sozialisiert. Kurz vor Ende der Einspruchsfrist an diesem Freitag schaltete sich die Bundesregierung ein. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries reichte beim zuständigen US-Gericht ein 25 Seiten starkes Dokument mit ihren Bedenken ein. Ziel ist es deutsche Autoren aus diesem Vergleich herauszunehmen. Nur so kann jeder Autor für sich entscheiden, ob er sein Werk Google zur Verfügung stellen will. Zypries befürchtet, dass Google urheberrechtlich geschützte Bücher aus der ganze Welt digitalisiert und damit die Abhängigkeit von Google verstärkt wird.
Das Google Geschäftsmodell
Mittlerweile werden auch aktuelle Bücher von etlichen Verlagen gescannt. Hier hatte sich Google jedoch vorab mit den Verlagen (nicht mit den Autoen!) geeinigt. Das Google-Konzept sieht vor, dass die Inhalte kostenfrei im Internet bereitgestellt werden. Die Refinanzierung erfolgt über Werbung, sprich Google-Adwords. Kommt es zu dem Vergleich, müssen sich Autoren und Verlage sich bei einer Registrierungsstelle melden und werden dann an den Einnahmen zu 63 Prozent beteiligt. Für jedes digitalisierte Buch wird Google 60 US-Dollar an die Rechteinhaber zahlen.
Fazit: Google geht es ausschliesslich um die Klicks und das weitere Wachstum der Google-Adwords, Urheberrechte sind in diesem Zusammenhang unwichtig, Rechtsverstösse werden aus der Portokasse bezahlt. Frei nach dem Motto ‘jeder Mensch (Autor) ist käuflich’.
(Quelle: handelsblatt.com, spiegel.de)
Anmerkungen: Jetzt auch Amazon gegen Google Settlement !
Wie die Bundesregierung reichte jetzt auch Amazon beim Bezirksgericht in New York eine Protestnote gegen den 125-Mio-Dollar-Vergleich ein. Amazon bezeichnet den Google-Books Deal als einen noch nie dagewesenen Copyrightverstoß (Google Books deal an ‘unprecedented’ copyright hack).
(Quelle: cnet news)
Microsoft erhebt Beschwerde
Microsoft reicht vor dem New Yorker Gericht eine 28 Seiten lange Beschwerde gegen den Google-Vergleich ein, da dieser der Suchmaschine ein neues Monopol gewähre und einen illegitimen Ansatz verfolge.
(Quelle: turi, ft.com)
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Sehe ich das richtig und es geht im einleitenden Satz “Alle Autoren kennen das Problem: Plötzlich tauchen Bilder, Werke, Bücher oder Texte in den Google Suchergebnissen auf, ohne dass Google je eine Erlaubnis zur Veröffentlichung eingeholt hätte.” nicht nur um Google Books, sondern auch darum, dass Google Internetseiten mit Texten, Bildern, Nachrichten etc. indiziert und über die Suche auffindbar macht? Wo ist das Problem? Den Google-Suchbot kann man von der eigenen Seite aussperren. Dann wird die eigene Seite mit Texten, Bilder und Nachrichten dort nicht auftauchen.
Übrigens munkelt man, dass Google den Buchautoren aus den Werbeeinnahmen größere Anteile zukommen lassen will, als es die Buchverleger machen. Nichtsdestrotz muss man vorsichtig sein, dass Google nicht irgendwann zum Informationsbeherrscher wird, der entscheidet, welche Info verfügbar ist und welche nicht.