Freitag, 3 September, 2010

Keine Zukunft für Stockfotografen – der Markt

September 2, 2009 von kalida · 12 Kommentare 

Der Ansturm auf den Beruf des Fotografen ist nahezu ungebrochen, viele junge Leute erstreben eine Karriere im Medienbereich.Der Umgang mit digitalen Medien wird bereits früh erlernt. Digitale Distributionskanäle, bspw. über die zahlreichen Communities, sind reichlich vorhanden. Amateure und Hobbyknipser verkaufen das eine oder andere Bild über Pennystock-Bildagenturen (die billige Jakob-Variante des Bildermarktes) und betrachten dies als ersten Schritt für eine erfolgreiche Karriere als professioneller Fotograf. Nach kurzer Zeit werden diese Visionen jedoch eingeholt durch die harte Realität des professionellen Stock-Fotografen. Diese Sparte der professionellen Fotografie wird in Zukunft weiter rückläufig sein und irgendwann vom Bildermarkt verschwinden. Der zur Verfügung stehende Honorarkuchen wird auf immer mehr Menschen verteilt werden. Für den einzelnen professionellen Fotografen, wird kaum genug Gewinn vorhanden sein, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Stock-Fotografie wird so zum Freizeitjob, mit dem man oft noch nicht einmal die Spiegelreflex-Ausrüstung refinanzieren kann. Die (gesellschaftlichen) Unterschiede zwischen früheren Amateuren und Profis verschwinden. Für die Bild-Datensammler im Internet war dieser Unterschied immer schon irrelevant. E s zählen kompatible Bilddaten, bzw. riesige Bildmengen. Sie sind damit die einzig wahren Demokraten heutzutage. Ohne Ansehen des gesellschaftlichen Standes, werden hier alle Bilder an jeden Käufer, oft zu jedem Preis vermarktet.

Niedergang der Stock-Fotografie
Der Stock-Fotograf beliefert Distributoren (Bildagenturen, Communities, Portale) mit selbst produzierten Bildern und erhält bei jeder Lizensierung seinen Honoraranteil. Die Verkäufe sind jedoch nicht garantiert. Er muss immer mehr Bilder auf Vorrat produzieren um überhaupt noch Käufer zu finden. Der klassische Auftrags- oder Werbefotograf ist von dieser Krise vorerst nicht betroffen. Er wird zumeist direkt gebucht und erhält sein Honorar nach Auftragserfüllung. Die Gründe für den stetigen Niedergang der Stock-Fotografie:

  • Ständig verbesserte Fototechnik (Kameras, Objektive) produziert technisch stark verbesserte Bilder. Potenzielle Käufer können so die gewünschten Fotos selber produzieren.
  • Der Bildermarkt ist übersättigt. Es gibt ein noch nie vorhandenes Überangebot an guten Fotos. Überangebot und Kundennachfrage halten sich schon lange nicht mehr die Waage. Die Schere zwischen ständig wachsenden Bildbeständen und dem tatsächlichen Bedarf geht immer weiter auseinander.
  • Die letzten Jahre erbrachten kein Wachstum bei den klassischen Lizensierungen (RM und RF) von Stockfotos . Die Finanzkrise verstärkte den Abwärtstrend.
  • Die Nachfrage nach Microstock-Fotos ist stark angestiegen. iStockphoto lizensierte in 2005 nur 4 Millionen Bilder, in 2008 waren es bereits 28 Millionen. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Gipfel des Microstock Wachstums bereits erreicht ist. Gleichzeitig wächst die Bildmenge der Microstock-Portale dramatisch. Sollten sich diese Thesen bewahrheiten, werden die Microstock-Honorare wieder sinken.
  • Die kapitalistischen Gesetzmässigkeiten von Angebot und Nachfrage sind für den Stock-Photo-Markt irrelevant, da viele Anbieter von Bildrechten (vor allem im Microstock-Markt) keine Gewinne erzielen. Das Angebot wird jedoch zumeist weiter ausgebaut und die negativen Zahlen in der Bilanz akzeptiert.
  • Internet und Open Source Programme ermöglichen einen leichten Zugang zu den notwendigen Distributionsmitteln.
  • Die Discountmentalität im Bildermarkt entwickelt sich weiter. Das Honorar pro Bild (RPI: Return per Image) wird weiter fallen. Kunden suchen verstärkt Bilder mit immer niedrigeren Preisen.
  • Die Bildnutzung wird sich dramatisch verändern. Bisher wurden Stockfotos überwiegend für die Werbung in Magazinen, bzw.Zeitschriften und für den redaktionellen Einsatz verwandt: 1. Werbung bewegt sich vom Printbereich ins Internet. Die hier verwandten Bilder sind viel kleiner, als die Fotos in gedruckten Magazinen. Somit wird auch ein geringeres Honorar erzielt. 2. Redaktionell geprägte Zeitschriften werden zu Gunsten der Onlinemagazine weiter verschwinden.Der Anteil der benötigten Fotos wird sinken. 3. Als Ergebnis der weltweiten Vernetzung durch das Internet ist der Zugang zu guten Bildern und Bildquellen jederzeit, einfacher und schneller möglich. Damit sinkt der Anteil der benötigten Fotografen. 4. Das Internet ist das klassische Bewegtbild Medium. Deswegen werden für Werbung und redaktionelle Zwecke immer mehr Videos eingesetzt, damit geht der Anteil der Stockfotos weiter zurück.
  • Im Internet lässt sich das Video auch bequem als Stockfoto-Quelle nutzen. Moderne Programme und Datenbanken ermöglichen das einfache Erstellen (frame grabbing) von Einzelbildern aus Videos.

Anmerkungen
Die Verwendung der Begriffe Profi (professioneller Fotograf, professioneller Stock-Photograph) und Amateur (Amateurfotograf, Hobbyknipser) sind keine qualitative Wertung der fotografischen Leistung, sondern beziehen sich nur auf die Art der Berufsausübung. Der Profi bestreitet als eigenständiger Unternehmer mit der Lizensierung von Fotos seinen gesamten Lebensunterhalt. Der Amateur hat zumeist andere Einkommensquellen zur Verfügung und fotografiert aus Leidenschaft oder betreibt die Fotografie als Hobby. Für den Amateur ist die Fotografie die klassische Nebenverdienst-Quelle.

Aktuelle Zahlen bestätigen die Thesen des Beitrages: Der Anzeigenumsatz von US-Zeitungen ist innerhalb eines Jahres um 29% geschrumpft. Von 9,6 Milliarden (2008) auf 6,8 Milliarden Dollar im 2.Quartal 2009. (Quelle: paidcontent)
Online-Videos auf dem Vormarsch. In den USA gab es im Juli 2009 unvorstellbare 21,4 Milliarden Abrufe von Videos. 158 Millionen User, davon 81% regelmässig, schauten sich diese Videos an.(Quelle: adweek)

Social Networks
  • Facebook
  • Twitter
  • MisterWong.DE
  • Webnews.de
  • Yigg
  • del.icio.us
  • Wikio
  • Propeller
  • BlinkList
  • blogmarks
  • LinkArena
  • Reddit
  • Yahoo! Bookmarks
  • Live
  • Posterous
  • RSS

Kommentare

12 Antworten nach “Keine Zukunft für Stockfotografen – der Markt”
  1. Teatime sagt:

    Tja – Recht hast Du.

    Es werden immer mehr Bilder in immer mehr Bildagenturen angeboten, weil jeder unbedingt einen Teil vom Kuchen abhaben will. Wenn man mal die Bildagenturen durchschaut, dann sieht man oft auch Handyfotos – das Erschreckende: die werden auch noch gekauft.

    Die einzige Hoffnung besteht darin, dass sich die Amateure wieder zurückziehen, weil sie merken, dass sich die Arbeit letztendlich nicht lohnt. Es würden noch mehr kleine Agenturen verschwinden und der Markt reinigt sich selbst. Dann *könnte* der Stockmarkt wieder für Profis eine interessante Alternative sein.

    Eine zweite Möglichkeit wäre die Regelung, dass auch nur ein Fotograf Fotografien verkaufen darf, wie es – soweit ich das inzwischen mitbekommen habe – in Österreich gehandhabt wird. Aber das ist ein eher utopischer Gedanke, wo die Handwerksordnung vor ein paar Jahren auch noch gelockert wurde.

  2. Ein Punkt der mir noch fehlt, ist das fehlende Qualitätsinteresse von Agenturen. Das Bestreben von Agenturen, Profis zu bezahlen sinkt deutlich. Oft schaft man sich ne Digicam an (was gut zu deinem ersten Punkt passt) und schickt dann – wenn es noch gut läuft – interessierte MitarbeiterInnen los. Wenns schlecht läuft, muss der Praktikant los. Klar das das nicht die ganz grossen Agenturn sind die bei den ganz grossen Pitches mitmachen. Das sind eh wenige. Was es aber gibt sind unzählige kleine Agenturen die die sich mit den “kleineren” Projekten dieser Welt rumschlagen. Und dort ist so ein handeln alltag. Leider.

  3. kalida sagt:

    Dazu passen auch die folgenden Zahlen: Anzeigenschwund bei US-Medien von 15,4 Prozent beim Umsatz (Quelle: adweek.com)

  4. picturetom sagt:

    Update: Google Settlement ein noch nie dagewesener Copyrightverstoss, sagt amazon http://bit.ly/NleBX

  5. (auch) Tom sagt:

    Das Problem hierbei ist wohl eher die Definition. Viele derer die heute das nötige Kleingeld für eine digitale SLR in der Tasche haben glauben doch gleich ein Fotograf zu sein, nur weil die Technik perfekt belichtete Bilder liefert. Da wird selbst meine Oma zur Fotografin. Das dazu ein wenig mehr gehört, als 200 mal sorglos den Auslöser zu drücken nur um fünf halbwegs gute Fotos zu erhalten vergessen die meisten leider. Zwei Wörter: Anspruch und Auswahl. Nicht die Technik sondern das Auge und das Können entscheiden ganz gewaltig über qualitative Unterschiede zwischen Fotografen und solchen die es gern wären. Dafür wird auch in Zukunft Geld gezahlt. Alles andere ist blanke Panikmache.

  6. R. Kneschke sagt:

    Danke für die treffende Zusammenfassung. Wenn die Honorare aber wieder sinken, geben vielleicht auch viele Amateure wieder auf und die Profis sind wieder dabei.

Trackbacks

Finden Sie heraus wie andere über diesen Artikel denken...
  1. Webnews.de sagt:

    Keine Zukunft für Stockfotografen…

    picturetom über den Niedergang der Stockfotografie. Die Einbrüche sind dramatisch, die Veränderun…

  2. [...] Weitere Information linkscolor = "000000"; highlightscolor = "888888"; backgroundcolor = "FFFFFF"; channel = "none"; [...]

  3. [...] dies als ersten Schritt für eine erfolgreiche Karriere als professioneller Fotograf. Fazit: Keine Zukunft für Stock-Fotografen. So fasst Picturetom die Entwicklumegn der letzten Jahre zusammen. Stock-Fotografie werde zum [...]

  4. [...] die Analyse und Einschätzung der zukünftigen Entwicklung des Stockfoto-Marktes ist auf den ersten Blick für den engagierten Fotografen eher negativ. Eine klare [...]



Ihre Meinung

Sagen Sie uns was Sie denken...
und falls Sie uns Ihr Bild zeigen wollen, besorgen Sie sich einen gravatar!

test
Get Adobe Flash playerPlugin by wpburn.com wordpress themes