Freitag, 3 September, 2010

Kampf gegen Buy-Outs

November 13, 2009 von picturetom · 2 Kommentare 

In letzter Zeit wird vor allem von Seiten der Auftraggeber der Medienbranche (Verlage, Agenturen, Film und Fernehen) ein urheberrechtliches Vertragsmodell favorisiert, das allgemein als Buy-Out bezeichnet wird. Bei diesem Vertragsmodell, räumt der Urheber seinem Vertragspartner die umfassenden Nutzungsrechte an seinem Werk (Foto, Film, Text, Grafik) ein und wird als Gegenleistung mit einer einmaligen Pauschalvergütung abgefunden. Diese einseitige Ausgestaltung des Urheberrechts ist umstritten, denn es ist äusserst fraglich ob der Buy-Out-Vertrag dem allgemein anerkannten urheberrechtlichen Postulat der angemessenen Vergütung entspricht.

Buy-Outs aus Sicht der Auftraggeber
Die Auftraggeber (z.B. Verlage) sichern sich alle Nutzungs- und Verwertungsrechte an den Werken zum identischen, einmaligen Auftragshonorar wie es bisher gezahlt wurde. Damit erhält der Verlag alle weiteren Nutzungshonorare, die bei einer Weiterverwertung (z.B. Lizensierung) und einem Weiterverkauf fällig werden. Er kann Werke, Fotos, Beiträge jederzeit inhaltlich verändern und in beliebig vielen anderen Medien verbreiten. Oft ist auch die Nutzung in der Werbung mit eingeschlossen. Viele der bisher von der Verlagen zur Unterschrift vorgelegten Rahmenverträge enthalten solche Klauseln, wurden jedoch auch teilweise erfolgreich untersagt.

Buy-Outs aus Sicht der Autoren
Sobald man als Autor auf ein Buy-Out eingeht, verliert man zumeist alle Nutzungsrechte an dem Werk (Foto, Grafik, Text, Film). Man erhält zwar ein Pauschalhonorar, das in den meisten Fällen dem bisher gezahlten normalen Auftragshonorar entspricht, verliert jedoch das Recht zur lukrativen Weiterverwertung. Gerade dieses Recht zur Lizensierung z. B. von Fotos hat vielen freien Fotografen das Überleben ermöglicht. Gleichzeitig gibt man die Hoheit über die Verwendung der eigenen Inhalte aus der Hand. So können Fotos oder Texte jederzeit unabhängig von ihrem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang in das Gegenteil verkehrt werden, indem man z.B. nur einen marginalen Ausschnitt verwendet.

FREELENS Magazin mit Themenschwerpunkt Buy-Out
Das neueste FREELENS Magazin ist eine ganz besondere Ausgabe: die erste Gemeinschaftsproduktion der drei Urheberorganisationen Freischreiber e.V., Illustratoren Organisation e.V. und FREELENS e.V. Fast die Hälfte des Heftes ist dem Schwerpunkt „Buy-Out“ gewidmet – ein Thema, das allen freien Mitarbeitern unter den Nägeln brennt.

„Derzeit“,

so Kai Schächtele, Vorsitzender des Berufsverbandes der freien Journalisten,

„versuchen die Medienunternehmen fast überall, die Rechte von Urhebern einzuschränken. Sie pressen ihren freien Mitarbeitern alle Nutzungsrechte zum Preis eines einzigen Dumpinghonorars ab, weil sie wissen, dass die einzelnen Mitarbeiter sich dagegen nicht wehren können. Doch diese Buy-Out-Praxis gefährdet auf Dauer unsere Existenz.“

Was sich in der Verlagskrise um die Jahrtausendwende bereits abgezeichnet habe, setze sich nun, in der gegenwärtigen Finanz- und Printmedienkrise, verschärft fort. Das rücksichtslose, wenig partnerschaftliche Vorgehen der Verlage zeigt das FREELENS Magazin anhand vieler Beispiele auf.

„Egal ob freie Fotografin, Illustrator oder Autor – in vielen Gesprächen haben wir festgestellt, dass alle kreativen Freiberufler gleichermaßen von den Knebelverträgen betroffen sind“,

sagt Tim Weiffenbach, Vorsitzender der Illustratoren Organisation.

„Es gibt lediglich graduelle Unterschiede zwischen den Auftraggebern.“

Für Manfred Scharnberg, den Chefredakteur des FREELENS Magazins, war dies der Grund, die Problematik einmal berufsübergreifend darzustellen:

„Was Fotografen schon lange praktizieren, nämlich über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, täte allen Freien gut.“

Besonders erfreut zeigt sich Scharnberg, dass gleich das erste Gemeinschaftsprojekt „ein so tolles Ergebnis“ erbracht hat.

„Hier setzen Fotografen, Journalisten und Illustratoren ein gemeinsames Ausrufezeichen. Denn es wird nicht nur kritisiert, es werden auch Wege in die Zukunft gezeigt“

- wenn es sein muss, ohne die Verlage.

Der Heft-Schwerpunkt wurde von den drei Urheber-Verbänden gemeinsam entwickelt. Mitgewirkt haben Ulrike Langer, Inga Pabst, Eva-Maria Schnurr, Wolfgang Michal, Stefan Niggemeier und Lars Reppesgaard (als Texter), Dominik Butzmann und das Duo Valeska Achenbach & Isabela Pacini (als Fotografinnen) sowie Sarah Burrini, Joanna Hegemann, Dieter Jüdt und Jan Philipp Schwarz (als Illustratoren).

Kontakt
FREELENS Magazin #29 – Gemeinschaftsproduktion von Freischreiber e.V., IO – Illustratoren Organisation e.V.  und FREELENS e.V.

FREELENS -Verband der Fotojournalistinnen und Fotojournalisten e.V.
Lutz Fischmann (Geschäftsführer)
Steinhöft 5,
20459 Hamburg
Telefon: +49-40-300664-0

Buchempfehlungen
Der Buy-out-Vertrag im Urheberrecht

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Kommentare

2 Antworten nach “Kampf gegen Buy-Outs”
  1. picturetom sagt:

    Kampf gegen Buy-Outs auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/u3pc6

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  1. Webnews.de sagt:

    Kampf gegen Buy-Outs…

    In letzter Zeit wird vor allem von Seiten der Auftraggeber der Medienbranche (Verlage, Agenturen, Fi…



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