Freitag, 3 September, 2010

Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder

Mai 31, 2010 von wreich · 12 Kommentare 

Open Source und Web 2.0 machen es möglich, dass alles was technisch machbar ist gnadenlos umgesetzt wird. So auch im Bereich der Meta-Suchmaschinen. Hier tritt mit SpiderPic die erste Microstock Bildsuchmaschine ins Rampenlicht. Sie vergleicht die preiswertesten Bilddiscounter aus dem Microstockbereich untereinander. Aufgeschlüsselt nach Anbieter, verfügbaren Lizenzen und Bildern werden hier horrende Preisunterschiede bei einem identischen Angebot schnell sichtbar. So reichen die Lizenzkosten bei unserem Beispiel Father Christmas von 12 bis 38 Dollar in der jeweils verfügbaren Highendauflösung.

Fotoshopping
SpiderPic bündelt die Angebote beliebig vieler Microstockagenturen in einer Preissuchmaschine. Die Verbindung zu den Agenturen wird über eine API-Schnittstelle hergestellt. Das Prinzip ist bekannt und der Shoppingwelt entlehnt. Preisportale wie idealo.de bündeln seit Jahren alle Shopangebote und decken so Preisunterschiede gnadenlos auf. Heutzutage kann es sich kein Shop-Anbieter mehr leisten diese Preissuchmaschinen und Preisportale zu ignorieren. Das Geschäftsmodell von SpiderPic setzt hier an. Bereits neun Anbieter (iStockphoto, Fotolia, Dreamstime, Shutterstock, 123RF, BigStock, Crestock, DepositPhotos, CanStockPhoto) kann der User untereinander vergleichen. Nach Abschluss der Betaphase werden sicher weitere Bildverwerter folgen.

Suchoptionen
Der User hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Optionen: Einzelne oder alle Anbieter auswählen, exclusive oder non-exclusive, Suche nach Keywords oder URL (mit einem entsprechenden photolink). Eine Suche nach Preisen (z.B. Mindestpreisen) ist bisher noch nicht möglich, wird aber sicher demnächst implementiert.

Wie konnte das passieren …?
Fragen sich heute immer noch manche klassischen Lizenzverwerter im Bildagenturbereich. Der Preisverfall in der Stockfotografie ist mittlerweile ein Fakt. Als Sieger gingen bis heute die Microstockanbieter vom Feld. SpiderPic jagt jetzt auch die Bilddiscounter und eröffnet mittelfristig einen gnadenlosen Preiskrieg. Denn andere Bilddiscounterpreissuchmaschinen werden folgen. Nichts ist so sicher wie die Erkenntnis, dass im Internet auf jede Neuheit sofort ein Plagiat folgt. Spätestens dann haben wir den Preiskampf der Vergleichsportale untereinander und es werden neue Untiefen bei der Bepreisung von Bildern offenbar.

Warum erst jetzt?
Mircrostockagenturen waren die ersten, die Bilder als beliebige Produkte auf den Markt warfen. Unter Umgehung klassischer Lizenzsysteme (RM, RF) wurde das einstmals so artifizielle Foto zum angreifbaren Produkt. In Kombination mit der digitalen Crowdsourcingschwemme sogar zum Billigprodukt und damit auch beliebig vergleichbar. Der Bildermarkt der Vergangenheit war dagegen eine fast geschlossene Veranstaltung von Bildverwertern und Bildnutzern. Die Honorierung (Bepreisung) basierte auf einem immateriellen Gut, das in Form von Lizenzen, die wiederrum an bestimmte Voraussetzungen (z.B. Größe, Art des Mediums, …) geknüpft waren, verkauft wurde. Ein derart hochkomplexes Lizenzsystem ist natürlich schwer durch Suchmaschinen fassbar und vergleichbar. Hatte aber zum Ergebnis, dass der lukrative Bildermarkt relativ abgeschottet war und mit den MFM als Instrument ein Quasi-Kartell errichtet wurde.

… und die Bildlieferanten?
Fotografen und andere Bildproduzenten haben einen grossen Anteil an der Atomisierung eines einstmals lukrativen Marktes. Der Prozess begann in der Vergangenheit schon bei den klassischen Bildagenturen. Fotografen streuten ihr Bildmaterial, in Erwartung höherer Umsätze, bei verschiedenen Bildagenturen. Da es oft identische Bilder waren und es keinen inhaltlichen Unterschied mehr gab, konnte also nur der Preis als Variable im Konkurrenzkampf der Agenturen untereinander verändert werden. Mit dem Beginn der Crowdsourcingschwemme wurde dieses Verhalten von Bildautoren zum Prinzip. Neu hinzugewonnene Schichten von weiteren Fotografen streuen ihre Bilder mit Wonne bei allen verfügbaren Bilddiscountern im Markt. Die dahinter stehende Hoffnung der Honorarmaximierung ist natürlich absurd und wird von SpiderPic gnadenlos aufgedeckt und abgestraft. Die Strafe besteht (s.o.) in weiter sinkenden Honoraren für den Fotografen.

Wem nutzt es?
Designer und Bildredakteure verhalten sich wie jeder Einkäufer und werden unter keinen Umständen bei identischem Bildmaterial das teurere Produkt wählen. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Bilddiscounter im Angesicht des sicheren Untergangs bei zu hohen Marktpreisen gezwungen zu reagieren. Einziger Rettungsweg für Microstockagenturen ist die Verstärkung der Kundenbindung durch günstige Flatrat- und/oder Abomodelle, die die Bildpreise für den Kunden und die Honorare für den Bilderzeuger noch weiter in den Keller treiben werden.

SpiderPic verstärkt mit seinem Angebot die Industrialisierung eines ehemaligen Autorenmarktes. Längst haben die industriell aufgestellten Produzenten von Fotos, Grafiken, 3D Bildern und Animationen die Macht im Microstockmarkt übernommen.

SpiderPic ist ein Projekt der israelischen Ginipic Ltd., die die Bildsuchmaschine ginipic entwickelt hat.

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Kommentare

12 Antworten nach “Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder”
  1. picturetom sagt:

    Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  2. Amos Struck sagt:

    RT @TopsyRT: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder http://bit.ly/bSBxsk – was haltet ihr davon?

  3. Amos Struck sagt:

    Wie immer ein kritischer aber fairer Bericht, gefällt mir. Nur eine kleine Korrektur meinerseits, soweit ich weiß nutzt Spiderpic nicht die APIs der Microstock Bildagenturen denn diese würden den Preisvergleich nicht erlauben.

    Es ist auch nur eine Frage der Zeit bis es weitere Preisvergleiche geben wird, hier stellt sich doch dann auch noch die Frage wieso man nicht immer bei einer Agentur kauft, ich kaufe doch auch aus bequemlichkeit bei Amazon.

    Viele Bildagenturen werden sich weitere Dienst- und Serviceleistungen einfallen lassen müssen! um weiterhin ihre Fotos verkaufen zu können. Nicht zu vergessen das Systeme wie iSyndica es den Fotografen noch einfacher machen ihre Fotos so breit wie möglich anzubieten. Irgendwann haben alle Microstock Agenture ähnliche oder sogar die exakt gleichen Fotos im Angebot.

  4. RT @picturetom: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  5. RT @picturetom: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom , den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  6. Dr. House sagt:

    RT @picturetom: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom , den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  7. tom schmidt sagt:

    RT @picturetom: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom , den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  8. Mike Walters sagt:

    RT @picturetom: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom , den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv

  9. picturetom sagt:

    Laut Selbstauskunft von SpiderPic werden sehr wohl APIs genutzt. Ansonsten sind so komplexe Suchroutinen sehr aufwending und fast nicht machbar. Kleine Anmerkung für den Laien, ehe dies hier zu einem Spezialistendiaolog wird: API heisst ‘Application Programming Interface’ und definiert die Verwendung von Schnittstellen unterschiedlicher Applikationen auf Quelltextebene.

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  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Amos Struck, Thomas Schmidt. Thomas Schmidt said: Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder auf picturetom ®, den vollständigen Text finden Sie hier http://bit.ly/b1tqzv [...]

  2. Webnews.de sagt:

    Gnadenloser Preisvergleich für Microstockbilder…

    Hier tritt mit SpiderPic die erste Microstock Bildsuchmaschine ins Rampenlicht….



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