Archive for the ‘Bildwissenschaft’ Category.
2nd März 2008, 07:35 pm
In der Tendenz werden auch Unterschiede in den Gebrauchsweisen der Fotografie deutlich. Überwiegend – auch nach übereinstimmenden Aussagen anderer Autoren – wird die Fotografie meist ‚selten’ oder ‚saisonal’ gebraucht, ist also abhängig von bestehenden Anlässen. Diese Gruppe der Amateure, deren Größe sich um die 80 % Marke bewegt, kann man als Gelegenheitsknipser bezeichnen.Der ambitionierte Amateur, der gemessen an der Masse der Fotografen einen verschwindend geringen Prozentsatz ausmacht, ist derjenige, der sich zumeist um eine versierte Praxis bemüht, d.h. hohen technischen und ästhetischen Aufwand treibt und sich dadurch von der Masse der Hobbyknipser abheben will. Continue reading ‘Ambitionierte Amateure und Gelegenheitsknipser’ »
1st März 2008, 07:36 am
Personalisierung: Personendarstellungen (Kinder, Familie) bestimmen zum größten Teil die Fotografische Praxis der Gelegenheitsknipser. Joachim Kallnich (1977) ermittelte in einer empirischen Untersuchung, der 8886 Fotos aus Alben von Arbeiterfamilien zugrunde lagen, daß 85,8 % dieser Fotos Personendarstellungen waren. Mit 63,6 % lag dabei der Anteil der Gruppenbilder am höchsten. Von den Personendarstellungen wurden ca. 25 % auf Familienfesten/-feiern aufgenommen und ca. 28 % im Urlaub oder in der Freizeit. Continue reading ‘Inhaltliche Stereotypen der Amateurfotografie’ »
25th Februar 2008, 08:27 am
Fotoapparate und fotografische Abbilder sind Produkte gesellschaftlicher Erfahrungen. Die Erfahrungen der Amateure vergegenständlichen sich in ihrer Bildproduktion, insofern sind die Fotos der Amateure subjektiver Ausdruck des gesellschaftlichen Bewußtseins über Fotografie (wie Fotografie zu gebrauchen ist – formal/technischer Aspekt -, was fotografierenswert ist – inhaltlich/ästhetischer Aspekt -). Continue reading ‘Stereotypenbildung in der amateurhaften Bildproduktion’ »
19th Februar 2008, 12:50 pm
Ihr neuntes „Treffen der Photohistoriker und Photographicasammler“ veranstaltet die Neue Photographische Gesellschaft in Sachsen e.V. vom 23. bis 25. Mai 2008 in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität (Lehrstuhl für Volkskunde – Empirische Kulturwissenschaft) und dem Verein Technik-Geschichte in Jena e.V. Die Besichtigungen und Vorträge legen – den bedeutenden Traditionen und Sammlungen sowie gegenwärtigen Geschehen am Veranstaltungsort gemäß – ihren Fokus auf Optische Systeme. Ist der Forschung und Entwicklung die Frage nach ihrem jeweiligen Nutzen erkenntnisleitend einbeschrieben, so thematisieren die photohistorischen Beiträge und die Künstlerpräsentation von anderer Warte das Verhältnis von Technik und Bild. Continue reading ‘Optische Industrie und Bildwissen(schaften) - Tagung in Jena’ »
15th Februar 2008, 11:14 pm
Fotografie als Beweis, als untestreichen der Wahrhaftigkeit z.B. eigener Urlaubserlebnisse ist eine weitere Funktion der Gelegenheitsfotografie. Dabei ist die Funktion, das Foto als Beweis, eine doppelte: zum einen Mittel zur Beglaubigung eigener Erfahrungen,- daß man ‚seinen Spaß gehabt hat’ auf der Familienfeier, im Urlaub, daß es sich gelohnt hat -, zum anderen als Nachweis gegenüber seiner sozialen Bezugsgruppe, den Nachbarn bspw., daß man auch dort war. Continue reading ‘Fotografie als Beweis’ »
12th Februar 2008, 09:49 pm
Die Kamera und ihr Produkt, das fotografische Abbild retten bestimmte Erscheinungsbilder vor der unvermeidlichen Überlagerung durch andere Erscheinungsbilder, indem sie sie konserviert. Dabei kann das fotografische Abbild nicht grundsätzlich Erinnerung speichern, sondern höchstens Anlaß von den im Subjekt ablaufenden Erinnerungsprozessen sein, z.B. das Albumbild der längst verstorbenen Tante erinnert vielleicht an die Zeit damals, der Diaabend vom letzten Urlaub erinnert an die ‚schöne Zeit’ auf Teneriffa und weckt dadurch Sehnsüchte und Illusionen. Continue reading ‘Erinnerung und Fotografie’ »
26th Januar 2008, 02:45 pm
Betrachtet man den Zusammenhang von saisonalem Gebrauch der Fotografie, der Fixierung auf Familie (Portrait) und dem Komplex Urlaub-Familie, so wird klar, daß der betroffene Fotograf bewußt oder unbewusst seine Kamera als Instrument seiner ganz persönlichen Geschichtsschreibung nutzt. Continue reading ‘Biographie und Fotografie’ »
22nd Januar 2008, 02:45 pm
Der zweite gängige Ritus amateurhafter Bildproduktion ist die Urlaubs – oder Touristenfotografie. Der rein ‚saisonale’ Gebrauch der Fotografie, vor allem im Urlaub, geht quer durch alle Schichten der Gesellschaft. Fotografische Praxis und Ferien korrelieren also sehr miteinander, ebenso wie die Verbindung von Familie und Urlaub: Tante Trude vor dem Eifelturm, Klein-Lieschen vor dem schiefen Turm – und bei den besserverdienenden Angestellten posiert halt die Freundin/Frau am Strand vor Hawaii vor der ‚glühend-rot’ untergehenden Sonne. Ferien bilden oft den Höhepunkt des Familienlebens, insofern tritt hier die Fotografie den Beweis an, daß man auch tatsächlich dagewesen ist. Continue reading ‘Urlaubsfotografie der Amateure’ »
10th Januar 2008, 07:16 am
Mit jeder Erhöhung des Einkommens wachsen die Möglichkeiten Fotografische Praxis hängt sehr deutlich davon ab, ob Kinder in der Familie vorhanden sind oder nicht: „Der Anteil der Besitzer einer oder mehrerer Kameras liegt in den kinderlosen Haushalten bei 38,5 %, während dieser Anteil bei Ehepaaren mit einem Kind 62, % beträgt“ (Bourdieu u.a. 1981). Meist ist es vor allem die Geburt des ersten Kindes, die das Bedürfnis nach Fotografieren verstärkt. Mit zunehmendem Alter der Kinder läßt die Fotografierwut der Eltern (hier: vor allem des Vaters) nach. Continue reading ‘Die rituellen Gebrauchsweisen der Gelegenheitsknipser: Familienfotografie’ »
5th Januar 2008, 07:30 am
„Betrachtet man die Fotos von Amateurwettbewerben, so unterscheiden sich diese von jenen der Profis kaum mehr in der Bildqualität, sondern allenfalls im nicht erreichten Zugang zu den kostbaren Objekten… Schon von jenem Moment an, wenn der Amateur in einer Tageszeitung oder in einem Freizeitmagazin nach einem Modell inseriert, später mir ihm Make-up und Posen bespricht und dann in Ermangelung einer Windmaschine stürmische Wetter abwartet, opfert er die Wahrnehmung seiner Wünsche nach Kontakt, Begegnung, Berührung, Liebe der harten Veredelung von Leitbildern“
(Kunde, Wolfgang/Wawrzyn Lienhard 1979). Continue reading ‘Amateure und die Gebrauchsweisen der Fotografie’ »